Menü

DURCH
BLICK

Neugier leben und Ideen freien Lauf lassen: Innovationskraft ist seit jeher fest in der DNA von Merck verankert. Im neuen Innovationszentrum in Darmstadt finden Forscher ideale Voraussetzungen, um an Produkten und Lösungen für morgen zu arbeiten – zum Beispiel an der cleveren Linse LicriEye.

Es ist ein Schmelztiegel der unterschiedlichsten Ideen: Im Innovationszentrum in Darmstadt tüfteln interdisziplinäre Teams aus allen Unternehmensbereichen von Merck voller Leidenschaft an vielversprechenden Entwicklungen. Um in dem modernen, hellgrauen Neubau mit seinen breiten Fensterfronten intensiv an ihren Ideen zu arbeiten, haben sich die Teams meist zuvor in unternehmensinternen Wettbewerben durchgesetzt. Die erste Hürde auf dem Weg zum Erfolg haben sie somit bereits genommen.

Im Brennpunkt:
Flüssigkristall-Knowhow von Merck

Den perfekten Durchblick im doppelten Sinne strebt das Projektteam „LicriEye‟ an, in dem Experten von Performance Materials und Healthcare Hand in Hand arbeiten. Das Projekt befindet sich noch in der frühen Entwicklungsphase und beschäftigt sich mit der neuartigen Behandlung einer weit verbreiteten Augenkrankheit: Der Graue Star – oder medizinisch korrekt die Katarakt – ist eine Trübung der Augenlinse, die vor allem bei Menschen über 65 Jahren auftritt. Dem Erkrankten erscheint seine Umwelt zunehmend unscharf, matt und verschleiert, Kontraste und Farben verblassen. Meist ist dies ein langsam fortschreitender Prozess, der unbehandelt zur Erblindung des Patienten führt. Der Graue Star wird durch einen operativen Eingriff behandelt, der in der Regel ambulant in etwa 15 Minuten durchgeführt wird. Kataraktoperationen zählen zu den häufigsten Operationen weltweit. Dabei wird die getrübte Linse des Patienten durch einen kleinen Schnitt entfernt und durch eine künstliche Intraokularlinse ersetzt. Das postoperative Ergebnis ist von der Genauigkeit der implantierten Linse abhängig.

„Eine falsche Bestimmung der Linse lässt sich bislang nur durch einen operativen Austausch der Kunstlinse nachträglich korrigieren, hier bestehen also durchaus noch Forschungsbedarf und Entwicklungspotenzial.“

Prof. Dr. Lutz Hesse, Direktor der Augenklinik, SLK-Kliniken Heilbronn

„Wenn die Brechkraft der künstlichen Linse nicht perfekt gewählt wurde, bieten die derzeit erhältlichen Intraokularlinsen dem Patienten postoperativ kein präzises Sehvermögen‟, sagt Professor Dr. Lutz Hesse, Direktor der Augenklinik, SLK-Kliniken Heilbronn. „Eine falsche Bestimmung der Linse lässt sich bislang nur durch einen operativen Austausch der Kunstlinse nachträglich korrigieren, hier bestehen also durchaus noch Forschungsbedarf und Entwicklungspotenzial.‟ Die möglichen Folgen sind gravierend: Fehlsichtigkeiten von einer bis zu drei Dioptrien. Ein Ausgleich ist bisher nur mit einer Brille möglich.

„LicriEye hat das Potenzial, Patienten ein unbeeinträchtigtes Sehvermögen nach Kataraktoperationen zu verschaffen.“


Martin Schraub, Projektleiter LicriEye

Der Clou von LicriEye

LicriEye soll es Augenärzten ermöglichen, nach einer Kataraktoperation (Grauer Star) den Fokus der künstlichen Linse postoperativ und nicht-invasiv mit einem Laser zu verändern und somit mögliche Fehlsichtigkeiten zu beheben. Dabei kommt dem Flüssigkristall-Knowhow von Merck eine entscheidende Rolle zu.


Bei Kataraktoperationen wird die getrünte Linse des Patienten durch eine künstliche Intraokularlinse ersetzt. Wenn die Brechkraft der künstlichen Linse dabei nicht perfekt gewählt wird, verfügt der Patient jedoch anschließend über kein präzises Sehvermögen. Postoperativ kann dieser Fehler nicht korrigiert werden. Der Patient benötigt somit eine Brille oder müsste erneut operiert werden.

Bei der Verwendung einer LicriEye-Linse wäre es zwar ebenfalls möglich, dass der Patient nach der Operation noch nicht perfekt sehen kann. Nun könnte der Augenarzt aber per Laser nachjustieren und das Sehvermögen des Patienten wiederherstellen. Bei der Herstellung von LicriEye nutzt das Projektteam das Wissen von Merck über reaktive Mesogene – eine Substanzklasse, die Merck produziert und die unter anderem für 3D-Bildschirme verwendet wird.

Hier setzt das LicriEye-Team an. Ziel ist es, gemeinsam mit einem Kooperationspartner eine „clevere‟ Linse zu entwickeln, deren Brennpunkt(e) nach der Implantation den Bedürfnissen des Patienten angepasst werden können. „Obwohl die Linsen-implantation bereits seit rund 60 Jahren medizinischer Standard ist, hat sich in der Materialentwicklung nicht allzu viel getan‟, erläutert Projektleiter Martin Schraub. Während die meisten Hersteller seit jeher Plexiglas und deren Derivate verwenden, forscht Merck an einem innovativen Material, das fotochemisch auf die spezifischen Anforderungen und Normen dieses künftigen Medizinprodukts zugeschnitten ist. Es muss unter anderem transparent, flexibel und biokompatibel sein. Schraub und seine Kollegen können dabei auf das geballte Knowhow von Merck bei Flüssigkristallen zurückgreifen, das normalerweise bei der Herstellung von 3D-Displays zum Einsatz kommt.

Nach der Implantation der Linse könnte der behandelnde Augenarzt dieses Material mit einem Laser non-invasiv so bearbeiten, dass sich die optischen Eigenschaften der Linse individuell einstellen lassen und der Patient keine Brille mehr benötigt. Schraub sieht die Marktchancen des künftigen Medizinprodukts nach seiner möglichen Zulassung optimistisch: „LicriEye hat das Potenzial, Patienten ein unbeeinträchtigtes Sehvermögen nach Kataraktoperationen zu verschaffen.‟ Die Gespräche mit einem großen Partnerunternehmen zur gemeinsamen Herstellung und Vermarktung sind bereits weit vorangeschritten.

Projektleiter Martin Schraub (links) im Gespräch mit Mitgliedern seines Teams.

Kreativer Freiraum

Innovationen sind für Merck als forschungsgetriebenes Unternehmen ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Doch nur selten ist Fortschritt das Ergebnis eines exakt planbaren Prozesses. Im Gegenteil: Wenn man visionäre Ideen Wirklichkeit werden lassen möchte, sind unkonventionelles Denken, Mut zum Risiko und Pioniergeist gefragt. Den dafür nötigen kreativen Freiraum bietet das im Oktober 2015 eröffnete sogenannte modulare Innovationszentrum am Hauptstandort in Darmstadt. „Zum einen verkörpert das Zentrum ein Sprungbrett für junge Talente, die ihre Konzepte hier entwickeln und realisieren können‟, sagt Michael Gamber, Leiter des Innovationszentrums. „Zum anderen bietet es eine attraktive Infrastruktur für professionelle Projektarbeit, die im Idealfall in zukunftsweisenden Innovationen mündet.‟ Das können neue Produkte oder Dienstleistungen, aber auch neue Geschäftsmodelle oder Prozesse sein. Die bisher vertretenen Teams haben in unternehmensinternen Auswahlprozessen eine Fachjury aus allen Unternehmensbereichen überzeugt. Auch externe Start-ups bekommen die Chance, ihre guten Ideen im modularen Innovationszentrum zu
verwirklichen – ausgestattet mit einem angemessenen Budget.

„Gerade der internationale Austausch ist bei uns als global präsentem Unternehmen von größter Bedeutung.“

Michael Gamber, Leiter des Innovationszentrums

Zusätzliche Unterstützung erhalten die Projektmitarbeiter durch Merck-Coaches und erfahrene Führungskräfte als Mentoren und Netzwerker. Nicht zuletzt geht es auch darum, die Ideen auf ihre Markt- und Wettbewerbsfähigkeit zu prüfen. „Gerade der internationale Austausch ist bei uns als global präsentem Unternehmen von größter Bedeutung‟, betont Gamber. Praxisnahe Trainings, Workshops, Vorträge und Online-Tutorials ergänzen das Angebot für die Projektteams im modularen Innovationszentrum. Offen zu sein für Neues, das ist Leitmotiv der Arbeit in dem zweistöckigen Bau mit insgesamt fast 4.000 Quadratmetern Grundfläche. Offenheit signalisiert auch die freundliche Architektur: Es gibt keine festen Büros, sondern flexible Arbeitsplätze. Die als Module gefertigten Flügel des Gebäudes gruppieren sich um einen großzügigen Innenhof. Das Gebäude ist eine Art Testdurchlauf für das künftige Innovationszentrum, das bis Ende 2017 mit der neuen globalen Konzernzentrale errichtet wird und deren Herzstück ll die Innovationskraft von Merck weiter steigern.

Ideen verwirklichen: Das Innovationszentrum
bietet jungen Talenten kreativen Freiraum.

Weitere Projekte im Innovationszentrum

Einfacher Schnelltest für die klinische Diagnostik

Ein weiteres interdisziplinäres Projektteam aus den Unternehmensbereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials widmet im modularen Innovationszentrum seine Forschungsarbeit einem briefmarkengroßen Teststreifen für die klinische Diagnostik und Qualitätskontrolle. Durch die besondere Beschaffenheit seiner Oberfläche können mit dem Teststreifen wenige Tropfen Flüssigkeit auf mehrere Parameter gleichzeitig untersucht werden. Ein weiterer großer Vorteil ist die einfache Handhabung des Tests: Er erfordert weder ausgebildete Fachkräfte noch eine aufwendige Probenvorbereitung oder spezifische Laborausrüstung. Theoretisch können den schnellen und unkomplizierten Test also auch Laien durchführen. Der Test kann bei einem breiten Spektrum von Anwendungen aus den Bereichen Healthcare und Life Science eingesetzt werden. Von Immunassays bis zu biochemischen Nachweisverfahren lassen sich mehrere Reaktionen an die Plattform anpassen, wodurch sich ein einfacher, schneller und kostengünstiger Diagnosetest gestalten lässt. Das Projekt möchte Diagnostik jedem zugänglich machen – überall, wo sie gebraucht wird.

Höhere Erfolgsrate bei künstlichen
Befruchtungen

Merck ist der führende Anbieter hormoneller Präparate für die Kinderwunschbehandlung. Das Fertility Technology Team um Jan Kirsten möchte die Positionierung in diesem Therapiegebiet weiter ausbauen und die Behandlungschancen verbessern. So hat es neue Technologien der In-vitro-Fertilisation (IVF) einlizenziert und weiterentwickelt. Derzeit befasst sich das Team mit einem innovativen Inkubationssystem, das gleichzeitig Aufnahmen von der Embryonalentwicklung machen kann, mit einem voll automatischen Embryonen- und Oocyten-Einfriersystem und mit dem Eeva®-Test. Der Eeva®-Test („Early Embryo Viability Assessment Test‟) soll wichtige Informationen zur Beurteilung von In-vitro-fertilisierten Embryonen für den Transfer in die Gebärmutter liefern. Mit diesen neuen Technologien können die Fertilitätskliniken besser einfrieren und verlässlichere Entscheidungen treffen, zum Beispiel welche Embryonen wieder in die Gebärmutter eingepflanzt werden sollen. Klinische Studien zeigen, dass die Erfolgsrate von IVF-Behandlungen mit der Unterstützung von Eeva® zusätzlich zu traditionellen Methoden erhöht werden kann.

Effiziente Lösungen für die Laborarbeit

Analytische Labore sind mit einer erheblich wachsenden Zahl an Proben bei gleichzeitig zunehmendem Kostendruck konfrontiert. Diese Situation erfordert neue, schnelle und kostengünstige Wege der Wirkstoffanalyse in vielen Anwendungsfeldern. Das Projekt Smart TLC forscht im modularen Innovationszentrum nach fortschrittlichen Lösungen und Methoden, um die Laborarbeit einfacher, anwendungsfreundlicher und effizienter zu gestalten und ihren Probendurchsatz erheblich zu steigern. Das Ziel ist eine deutlich geringere Analysedauer bei verbesserter Ergebnisqualität und höherer Reproduzierbarkeit.

Implantantions­rate*

in % in 2014

*Der Einsatz des Eeva®-Tests in Kombination mit traditionellen Morphologien steigert den Implantationserfolg einer Blastozyste um zehn Prozentpunkte im Vergleich zu konventionellen Klassifizierungsmethoden allein.1, 2


  1. Adamson D et al. Zur Präsentation auf der Jahrestagung 2014 der American Society of Reproductive Medicine (ASRM) angenommen.

  2. VerMilyea MD et al. „Computerautomated time-lapse analysis test results correlate to clinical pregnancy and embryo implantation: A prospective, blinded, multi-center study.‟ Reprod BioMed Online. 2014;29 (6): 729 –736.