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Wirtschaftsbericht

Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen

Unsere Umsatzentwicklung wurde im Jahr 2015 von den generellen weltweiten Trends sowie von der anwachsenden Bedeutung der Region Asien-Pazifik (APAC) beeinflusst. So trug die Region APAC im Jahr 2015 rund 56% zum organischen Wachstum unserer Konzernumsätze bei. Alle Unternehmensbereiche lieferten dabei einen positiven Beitrag zum gesamten organischen Umsatzwachstum der Region APAC. Healthcare und Performance Materials haben 2015 wertmäßig den größten Anteil der Umsatzerlöse für die Region APAC eingenommen. Das organische Umsatzwachstum in dieser Region fiel bei Healthcare mit 10,4% am höchsten aus. Mit deutlichem Abstand folgten Life Science (5,5%) und Performance Materials (0,8%).

Nach dem letzten vorliegenden Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat sich im Jahr 2015 die Erhohlung der Industrienationen fortgesetzt, während die Konjunktur in Schwellen- und Entwicklungsländern im fünften Jahr in Folge rückläufig war. Laut IWF stieg das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2015 um 3,1%, was einem im Vergleich zu 2014 um 0,3 Prozentpunkte niedrigeren Wachstum entspricht. Während die Industrieländer einen Anstieg von 1,9% erwirtschaften konnten, leisteten die Schwellenländer mit 4,0% nach wie vor den größten Beitrag zum globalen Wachstum.

Das BIP der weltweit größten Volkswirtschaft, der USA, legte den letzten Erkenntnissen nach im Jahr 2015 um 2,5% (Vorjahr: 2,4%) zu und wuchs damit um 0,6 Prozentpunkte langsamer, als vor einem Jahr erwartet worden war. Das Wachstum in den USA wurde im Jahr 2015 durch einen Rückgang der Investitionsausgaben in der Ölindustrie und einen harten Winter gebremst. Für die Eurozone notierte der IWF für 2015 einen Anstieg des BIP um 1,5% (Vorjahr: 0,9%). In Asien (ohne Japan) wuchs das BIP im Jahr 2015 um 6,6% (Vorjahr: 6,8%). Indien (7,3%) und China (6,9%) lieferten einen nennenswerten Beitrag zu dieser Entwicklung. Japan, Südkorea und Taiwan blieben hinter den Wachstumserwartungen aus dem Vorjahr zurück. Allerdings konnte Japan mit 0,6% wieder den positiven Wachstumsbereich erreichen (Vorjahr: 0,0%). Hingegen schwächte sich das Wirtschaftswachstum in Südkorea mit 2,7% (Vorjahr: 3,3%) und Taiwan mit 2,2% (Vorjahr: 3,8%) gegenüber dem Vorjahr leicht ab.


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26 KB EXCEL
  Entwicklung 20151 Entwicklung 2014
Healthcare    
Globaler Pharmamarkt 8,9 % 8,7 %
Markt für Multiple-Sklerose-Therapeutika2 8,0 % 19,0 %
Markt für Diabetes-Typ-II-Therapeutika2 2,0 % 9,0 %
Markt für die Behandlung von Unfruchtbarkeit2 – 7,0 % 1,0 %
Markt für die Behandlung des Kolorektalkarzinoms2 – 1,7 % – 5,8 %
Markt für rezeptfreie Arzneimittel 4,9 % 4,0 %
     
Life Science    
Markt für Laborprodukte 3,0 % 2,8 %
Anteil von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln am weltweiten Pharmamarkt 24,0 % 23,0 %
     
Performance Materials    
Wachstum der Fläche von Flüssigkristalldisplays Nachlassende Wachstumsdynamik 13,8 %
Globaler Absatz von PKW Leicht abgeschwächtes Wachstum 4,0 %
Materialien zur Herstellung von Kosmetika 2,0 % 1,8 %
Umsätze der Halbleiterindustrie Umsätze auf Vorjahresniveau 8,0 %
1
Voraussichtliche Entwicklung. Zum Zeitpunkt der Aufstellung dieses Berichts lagen nicht zu allen Industrien finale Entwicklungsdaten für das Jahr 2015 vor.
2
Wachstumsraten basieren auf US-Dollar-Marktdaten. Marktdaten von EvaluatePharma zum Wachstum der Indikationen basieren auf veröffentlichten Unternehmensberichten und unterliegen Wechselkursschwankungen. Aufgrund der Entwicklung des Wechselkurses €/US-Dollar in den Jahren 2014-2015 ist das Marktwachstum in US-Dollar schwächer verglichen zur Betrachtung in €.

Healthcare

Die von dem Unternehmen IMS Health herausgegebene Studie IMS Global Market Prognosis 2015 – 2019 erwartet für das Jahr 2015 ein Umsatzplus in Höhe von 8,9% (Vorjahr: 8,7%) für den weltweiten Pharmamarkt. Dieser Umsatzzuwachs ist hauptsächlich Lateinamerika und den USA zu verdanken. So verzeichnete etwa der Pharmamarkt in den USA ein Wachstum von 11,4% (Vorjahr: 12,6%) und in Lateinamerika sogar von 15,8% (Vorjahr: 11,6%). Der Markt in China verzeichnete mit 7,0% ein im Vergleich zum Vorjahr schwächeres Wachstum (Vorjahr: 11,2%), wohingegen der Markt in Europa mit 5,8% einen fortdauernden Zuwachs zeigte (Vorjahr: 4,1%).

Relevant für unser Geschäft ist nicht nur das Wachstum des Pharmamarkts insgesamt, sondern insbesondere auch die Marktentwicklung für biotechnologisch produzierte Wirkstoffe. Laut dem Unternehmen EvaluatePharma hat der Umsatzanteil von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln am gesamten Pharmamarkt seit dem Jahr 2006 beständig zugenommen und lag 2015 bei 24,0%. Absolut wurden im Jahr 2015 mit Biologika weltweit Umsatzerlöse in Höhe von rund 183 Mrd US-Dollar erzielt. Für die kommenden Jahre geht EvaluatePharma weiterhin von einem steigenden Umsatz biotechnologisch hergestellter Arzneimittel aus. Ebenfalls wird sich voraussichtlich der Trend fortsetzen, dass Biologika einen immer größer werdenden Anteil am Gesamtpharmamarkt ausmachen.

Laut EvaluatePharma entwickelten sich in den von uns fokussierten Therapiegebieten im Jahr 2015 insbesondere die Märkte für Multiple-Sklerose-Therapeutika und Diabetes-Typ-
II-Therapeutika mit 8,0% (Vorjahr: 19,0%) beziehungsweise 2,0% (Vorjahr: 9,0%) am günstigsten. Weiterhin ist hervorzuheben, dass der Markt zur Behandlung von Unfruchtbarkeit einen Umsatzrückgang von – 7,0% auswies (Vorjahr: 1,0%) und es Biopharma in diesem schwierigen Umfeld gelang, den Umsatz von Gonal-f®, einem Produkt zur Behandlung von Unfruchtbarkeit, organisch um rund 3,7% zu steigern. Der Markt für Krebsmedikamente zur Behandlung des Kolorektalkarzinoms war 2015 mit – 1,7% im Vergleich zum Vorjahr weiterhin rückläufig (Vorjahr: –5,8%).

Das Unternehmen Nicholas Hall beziffert in einer Marktstudie den Anstieg des globalen Markts für rezeptfreie Arzneimittel im Jahr 2015 auf 4,9% (Vorjahr: 4,0%). Wachstumstreiber des Markts waren Indien mit 8,9% (Vorjahr: 9,0%) sowie Lateinamerika mit 7,0% (Vorjahr: 8,2%). Die geringste Wachstumsdynamik wiesen im Jahr 2015 die Märkte in Japan mit 0,2% und Westeuropa mit 3,3% auf.

Life Science

Unser Unternehmensbereich Life Science ist ein führender Zulieferer von Produkten und Dienstleistungen in dem Bereich allgemeiner Laboranwendungen sowie der Erforschung, Entwicklung und Herstellung von Arzneimitteln auf chemischer und biotechnologischer Basis.

Der für Bioscience und Lab Solutions relevante weltweite Markt für Laborprodukte zeigte den Marktforschern von Frost & Sullivan zufolge im Jahr 2015 ein Wachstum von 3,0% (2014: 2,8%). Das Wachstum wurde hauptsächlich von Kunden aus der biopharmazeutischen Industrie getragen, im Besonderen von aufkommenden biotechnologischen Start-up-Unternehmen. Die Stabilisierung bei der staatlichen Förderung von akademischer Forschung in den USA trug ebenfalls zur Verbesserung des Erfolgs und der Zukunftsaussichten der Märkte für Forschungstools bei. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs der europäische Markt um 1,9% (2014: 1,6%), was insbesondere an den positiven Marktentwicklungen im Zuge des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ lag. Der US-amerikanische Markt steigerte sich dank der guten Entwicklung der Biotechindustrie ebenfalls um 3,2% (2014: 3,0%). Die Wachstumsmärkte legten zu, wenn auch in China eine Verlangsamung zu verzeichnen war.

Die Nachfrage nach Produkten von Process Solutions ist maßgeblich vom Umsatz biopharmazeutischer Unternehmen mit biologischen Arzneimitteln und von ihren Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten abhängig. Der weltweite Umsatz mit biologischen Arzneimitteln nähert sich der Marke von 200 Mrd US-Dollar und soll sich bis zum Jahr 2020 verdoppeln. Laut dem Unternehmen EvaluatePharma befinden sich über 7.500 Biologika-Projekte in der Entwicklung. Bei 25% dieser Wirkstoffe handelt es sich um monoklonale Antikörper. Biosimilars machen einen kleinen, aber schnell wachsenden Anteil des Pharmamarkts aus. Das Unternehmen IMS rechnet für das Jahr 2015 mit einem Anstieg der jährlichen Aufwendungen für Biosimilars auf 2 Mrd US-Dollar beziehungsweise rund 1% der gesamten weltweiten Aufwendungen für Biologika.

Performance Materials

Mit seinem Flüssigkristallgeschäft ist Merck der führende Hersteller von Flüssigkristallmischungen für die Displayindustrie. Die Displayindustrie verzeichnete in den letzten Jahren laut den Erhebungen der Marktforscher von DisplaySearch Wachstumsraten der Displayfläche von durchschnittlich 10%. Dieses dynamische Wachstum war getragen von steigenden Stückzahlen im Verkauf und von einer zunehmenden durchschnittlichen Displaygröße. 2015 wurde wegen einer Nachfrageschwäche bei TV-Geräten eine nachlassende Wachstumsdynamik verzeichnet. Die Displayindustrie stellt weiterhin eine Wachstumsbranche dar, deren führende Bildschirmtechnologie auf Flüssigkristallen basiert. Zunehmende Bedeutung im Bereich der hochwertigen Displays erlangt die OLED-Technologie, bei der Merck ebenfalls zu den führenden Materialzulieferern zählt.

Die Märkte für Automobillacke und Kosmetika sind von erheblicher Bedeutung für das Pigmentgeschäft von Merck. Wie der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) berichtete, stieg der weltweite PKW-Absatz 2014 um 4%. Wachstumstreiber waren China (13%), die USA (6%) und Westeuropa (5%), während in Lateinamerika und Osteuropa Rückgänge im Automobilabsatz zu verzeichnen waren. 2015 wird aufgrund der Konjunktureintrübung in China mit einem leicht abgeschwächten globalen Wachstum im Automobilmarkt gerechnet. Der weltweite Verbrauch von Materialien für die Herstellung von Kosmetika stieg laut Euromonitor International um 2%, wobei Asien mit 5% die höchste Wachstumsrate aufwies.

Die Halbleiterindustrie ist der wichtigste Absatzmarkt für das Geschäft mit Materialien für integrierte Schaltkreise (IC Materials). Das langfristige Wachstum der Halbleiterindustrie weist eine zyklische Nachfragestruktur auf. Laut Gartner, einem auf die Technologie- und Elektronikmärkte spezialisierten Marktforschungsinstitut, bewegten sich die Umsätze der Branche 2015 auf Vorjahresniveau, da das PC-Geschäft eine zurückgehende Nachfrage verzeichnete. 2014 konnte noch ein dynamisches Wachstum von 8% verzeichnet werden.