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Forschung und Entwicklung

Wir erforschen und entwickeln weltweit Wege und Lösungen, um die Lebensqualität von Patienten zu verbessern und die Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen. Dabei sind wir stets darauf bedacht, Relevanz und Effizienz unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten weiter zu optimieren – ob im Alleingang oder in Kooperation mit Dritten.

Rund 5.000 Mitarbeiter forschen für Merck nach Innovationen, mit denen wir die langfristigen Gesundheits- und Technologietrends sowohl in den etablierten Märkten als auch in den Wachstumsmärkten bedienen können.

Im Jahr 2015 haben wir rund 1,7 Mrd € für Forschung und Entwicklung (F&E) ausgegeben. Wir setzen dabei sowohl auf Eigenforschung als auch auf externe Kooperationen. Damiterhöht sich die Produktivität der Forschung und zugleich verringert sich der finanzielle Aufwand.

Die Aufstellung unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten folgt der Struktur von Merck mit drei Unternehmensbereichen.

Healthcare

Biopharma

Unser Biopharma-Geschäft hat 2015 mehrere wichtige Programme aus seinem Forschungs- und Entwicklungsportfolio vorangetrieben, darunter sowohl Früh- als auch Spätphasenprojekte. In vielen Fällen stammten die Molekülkandidaten dabei aus unserer eigenen Forschung. Das Geschäft konzentriert sich gezielt auf die Gebiete Onkologie, Immunonkologie und Immunologie. Diese Ausrichtung zeigt signifikantes Potenzial, in absehbarer Zeit Nutzen für die Patienten und das Geschäft zu stiften.

Unter Dr. Luciano Rossetti als Leiter der globalen Forschung und Entwicklung hat die F&E-Einheit ihr Führungsteam personell erweitert, unter anderem mit Dr. Alise Reicin als Senior Vice President und Leiterin der globalen klinischen Entwicklung und Dr. Laszlo Radvanyi als Leiter der translationalen Innovationsplattform Immunonkologie. Darüber hinaus wurde Dr. Jörn-Peter Halle zum Leiter für externe Innovationen in der Forschung und Entwicklung von Biopharma ernannt.

Im September hat unser Biopharma-Geschäft die bauliche Erweiterung seines F&E-Betriebs in Darmstadt bekannt gegeben. Wir investieren 65 Mio € in ein neues Laborgebäude mit einer Gesamtfläche von über 16.000 Quadratmetern, in dem rund 200 Mitarbeiter eine neue Wirkungsstätte finden werden, um Innovationen im Bereich Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Das neue Laborgebäude wird die verschiedenen Funktionen des F&E-Bereichs Discovery Technologies zusammenführen, darunter Molecular Pharmacology, Medicinal Chemistry, Computational Chemistry, Molecular Interactions and Biophysics, Protein Engineering and Antibody Technologies sowie Protein and Cell Sciences. Das Forschungsgebäude, das im Herbst 2017 fertiggestellt sein soll, wird in das Ensemble am neuen „Quartiersplatz Pharma“ der Konzernzentrale in Darmstadt integriert sein. Wir bündeln damit einen Großteil unserer F&E-Aktivitäten an einem Ort und schaffen beste Voraussetzungen für die innovative Weiterentwicklung unserer biopharmazeutischen Pipeline.

Onkologie

Im April 2015 hat die Abteilung Sicherheit des japanischen Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales die Aktualisierung der Produktinformation von Erbitux® unter Einbezug von Patienten mit inoperablem, fortgeschrittenem oder rezidivierendem Kolorektalkarzinom (CRC) vom RAS-Wildtyp genehmigt. Dies steht im Einklang mit dem derzeitigen Zulassungsstatus in Europa.

Im Juli wurden auf dem Weltkongress für gastrointestinale Tumoren der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Barcelona Ergebnisse der Phase-II-Studie CAPRI-GOIM vorgestellt. Hierbei handelt es sich um eine unabhängige Studie, die von einer akademischen Gruppe durchgeführt wurde und 340 Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mCRC) vom KRAS-Wildtyp (Exon 2) einschloss. Die Patienten erhielten als Erstlinientherapie FOLFIRI plus Erbitux® und wurden bei Ansprechen randomisiert entweder mit FOLFOX plus Erbitux® oder FOLFOX-Monotherapie als Zweitlinie weiterbehandelt. In einer Unterpopulation dieser Studie mit vierfachem Wildtyp (Ausschluss von Mutationen im KRAS-, NRAS-, BRAF- oder PIK 3CA-Gen durch Next Generation Sequencing) wurden ein signifikant verlängertes progressionsfreies Überleben sowie eine Verbesserung des Gesamtüberlebens und der Ansprechrate unter Zweitlinienbehandlung mit Erbitux®FOLFOX nach vorausgegangener Erstlinie in Form von Erbitux® / FOLFIRI ermittelt. Dies deutet darauf hin, dass eine Fortsetzung der Anti-EGFR-Behandlung unter Austausch des Basis-Chemotherapeutikums bei der Zweitlinienbehandlung einen schlüssigen Ansatz nach Krankheitsprogression darstellt, auch wenn dies noch durch Daten anderer Studien bestätigt werden muss.

Evofosfamide ist ein Hypoxie-aktiviertes Prodrug, das heißt eine in der Entwicklung befindliche Arzneimittelvorstufe, die bei stark ausgeprägtem Sauerstoffmangel des Tumors, einem Kennzeichen vieler solider Tumoren, aktiviert werden soll. Das Prüfpräparat wurde in zwei Indikationen im Rahmen von Phase-III-Studien untersucht: Weichteilsarkom und Pankreaskarzinom. Im Mai haben wir die Erteilung des „Fast Track“-Status durch die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) für die Entwicklung von Evofosfamide zur Behandlung von zuvor unbehandelten Patienten mit metastasiertem oder lokal fortgeschrittenem, inoperablem Pankreaskarzinom mitgeteilt. Im Dezember 2015 wurden die Ergebnisse der Phase-III-Studien bewertet. Die Studien erreichten leider bei keiner der zwei Indikationen ihren primären Endpunkt. Wir haben daraufhin beschlossen, das Entwicklungsprogramm zu Evofosfamide nicht weiterzuverfolgen, und haben die Rechte an dem Programm an Threshold Inc. zurückgegeben.

Tepotinib, ein niedermolekularer Inhibitor des Tyrosinkinaserezeptors c-Met, schaffte bei zwei Indikationen den Übergang in die Phase II der laufenden Phase-I/II-Studie zu diesem Prüfkandidaten. Anfang 2015 wechselte er zum einen in den Phase-II-Teil einer laufenden Phase-I/II-Studie bei asiatischen Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) mit positivem Met-Status (Met+) und EGFR-Mutation. In dieser Studie sollen rund 136 Patienten mit Met-positiven Tumoren, bei denen eine vorausgegangene Erstlinientherapie mit Gefitinib versagt hat, randomisiert mit Tepotinib (500 mg/Tag) plus Gefitinib oder Tepotinib plus Cisplatin/Pemetrexed behandelt werden. Primärer Endpunkt ist das progressionsfreie Überleben (progression-free survival, PFS). Im 2. Quartal ging Tepotinib zum anderen in die Phase II einer laufenden offenen Phase-I/II-Prüfung bei asiatischen Patienten mit unbehandeltem fortgeschrittenem Leberzellkarzinom über. Sie bewertet die Wirksamkeit, Sicherheit und Pharmakokinetik dieser Substanz bei Erstlinienbehandlung im Vergleich zu Sorafenib. In dieser Studie sollen circa 140 Patienten mit Met-positiven Tumoren randomisiert mit 500 mg Tepotinib einmal täglich oder 400 mg Sorafenib zweimal täglich behandelt werden. Primärer Endpunkt ist das progressionsfreie Intervall.

Im Bereich der diagnostischen Tests in der Onkologie unterzeichneten wir im März 2015 eine Vereinbarung mit Illumina Inc. Wir wollen gemeinsam Sequenzierungstests entwickeln, die im Rahmen von klinischen Studien mehrere Genvarianten in einer einzigen Tumorprobe nachweisen und gleichzeitig messen können. Dies wird uns in die Lage versetzen, Genomstudien in einer bis vor wenigen Jahren noch undenkbaren Geschwindigkeit durchzuführen, potenziell verschiedene Diagnosetests zu entwickeln und damit unsere führende Position im Bereich der personalisierten Krebstherapie zu stärken. Außerdem haben wir mit unserem Partner Sysmex Inostics GmbH die Eröffnung des ersten Prüfzentrums für die RAS-Biomarkertestung auf Basis von Flüssigbiopsien im Institut für Onkologie der spanischen Klinik Vall d’Hebron bekannt gegeben. Diese sogenannte Flüssigbiopsie – auch als blutbasierter Biomarkertest bekannt – ist eine vereinfachte und schnelle Methode für die Bestimmung des RAS-(KRAS- und NRAS-)Mutationsstatus von Tumoren, da hierfür nur eine einzige Blutentnahme erforderlich ist. Die Notwendigkeit einer Gewebebiopsie oder eines chirurgischen Eingriffs entfällt damit. Die Bestätigung der Konformität mit den europäischen Harmonisierungsrichtlinien (CE-Kennzeichnung) wird für die kommenden Monate erwartet.

Im November haben wir den Abschluss einer auf drei Jahre angelegten Kooperationsvereinbarung mit dem polnischen Unternehmen Selvita aus Krakau bekannt gegeben. Gemeinsam wollen wir neue Therapiekonzepte im Bereich Onkologie validieren. Ziel der Kooperation ist es, potenzielle erste Vertreter niedermolekularer Arzneimittelkandidaten für unterschiedliche Krebsindikationen herauszubringen. Zusammen mit unserem Vertragspartner steuern wir ein gemeinsames Portfolio an Projekten zur Wirkstoffsuche unter Aufteilung der Risiken sowie Erlöse und bauen dabei auf dem Rahmenwerk unserer 2013 initiierten zweijährigen Partnerschaft im Bereich Tumorstoffwechsel auf. Im Rahmen der neuen Vertragsbedingungen erhält Merck die Exklusivrechte am gemeinsamen geistigen Eigentum und Selvita im Gegenzug Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren bei erfolgreicher Entwicklung und Vermarktung von Produkten durch Merck.

Anfang 2015 beschlossen wir nach Prüfung aller vorhandenen klinischen Daten, das Entwicklungsprogramm zu Abituzumab (ehemals DI17E6) in der Onkologie zu beenden. Eine Phase-Ib-Studie bei soliden Tumoren, die in Zusammenarbeit mit Sanofi U.S. Pimasertib in Kombination mit dem hDM2-Antagonisten (SAR 405838) von Sanofi U.S. untersuchte, wurde beendet und die weitere Entwicklung eingestellt. Außerdem haben wir nach Prüfung der Wettbewerbslage entschieden, unsere Rechte außerhalb Chinas an dem PARP-Inhibitor BeiGene-290 an BeiGene zurückzugeben.

Das Biopharma-Geschäft von Merck unterstützt erstklassige externe Forschungsprojekte aus bestimmten Bereichen der Onkologie im Rahmen von jährlich vergebenen Förderstipendien. Die diesjährigen Grants for Oncology Innovation wurden an drei Gruppen (zwei aus Spanien und eine aus Italien) vergeben. Die Preisverleihung fand im Rahmen der Jahrestagung 2015 des European Cancer Congress (ECC) in Wien statt.

Immunonkologie

Im Rahmen der Jahrestagung 2015 der American Society of Clinical Oncology (ASCO) wurden mehrere Präsentationen zur vorläufigen Wirksamkeit und Sicherheit von Avelumab (zuvor bekannt als MSB0010718C) veröffentlicht. Avelumab ist ein in der Entwicklung befindlicher, rein humaner, monoklonaler IgG1-Antikörper, der an den programmierten Zelltod-Liganden 1 (PD-L1) bindet und potenziell das körpereigene Immunsystem zur Krebsbekämpfung nutzt. Zu den Präsentationen gehörten ein Vortrag über Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) und Poster zu Magenkrebs, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (non-small cell lung cancer, NSCLC) und einigen anderen Studien in unterschiedlichen Patientenpopulationen. Die Daten zum NSCLC stammten aus einer internationalen offenen Phase-I-Studie mit verschiedenen aufsteigenden Dosen. Ziel war die Untersuchung der Sicherheit, Verträglichkeit, Pharmakokinetik sowie der biologischen und klinischen Wirksamkeit bei Patienten mit metastasierten oder lokal fortgeschrittenen soliden Tumoren. In dieser Untersuchung wurden die Sicherheit und klinische Wirksamkeit bei 184 Patienten mit NSCLC vom Stadium III b/IV sowie die Krankheitsprogression nach mindestens einer vorausgegangenen platinbasierten Doublet-Therapie bewertet. Ein objektives Ansprechen wurde bei 25 Patienten (13,6%) beobachtet, davon ein Patient mit Vollremission und 24 Patienten mit partiellem Ansprechen; bei 19 Patienten dauerte das Ansprechen zum Zeitpunkt der Auswertung noch an, darunter zwei Patienten, die auch nach Behandlungsende weiter Ansprechen zeigten.

In einem der ASCO-Vorträge wurden Phase-I-Daten einer nicht nach ihrem PD-L1-Status vorselektierten Patientenkohorte mit rezidivierendem oder refraktärem Ovarialkarzinom vorgestellt, die zuvor durchschnittlich vier Therapielinien (ohne adjuvante Behandlung) erhalten hatte. Von den 75 aufgenommenen Patientinnen zeigten acht ein partielles Ansprechen und 33 Krankheitsstabilisierung, was einer Krankheitskontrollrate (disease control rate, DCR) von 54,7% entspricht. Die objektive Ansprechrate lag bei 10,7%. Weitere Patientinnen mit Ovarialkarzinom sind in die laufende Phase-Ib-Studie aufgenommen worden und Phase-III-Studien zu platinresistentem beziehungsweise platinrefraktärem und platinsensiblem Ovarialkarzinom sind in der Planung.

Außerdem wurden auf der ASCO klinische Daten zu Avelumab aus einer Phase-I-Studie mit japanischen Patienten mit fortgeschrittenem Magenkrebs vorgestellt. Von den 20 Patienten, die bereits mehrfach vorbehandelt waren, zeigten drei ein partielles Ansprechen auf die Studienbehandlung. Die Patientenaufnahme in diese japanische Studie ist fortgesetzt worden und weitere Studien in der Indikation fortgeschrittenes Magenkarzinom sind geplant. Auf der Jahrestagung 2015 des European Cancer Congress (ECC) wurden im September in Wien sechs Abstracts vorgestellt. Dabei wurden neue Daten zu Tumoren des Urothels (zum Beispiel Harnblase), des Mesothels (zum Beispiel Brustfell) und des Magens einschließlich des gastroösophagealen Übergangs präsentiert. Darüber hinaus wurden weitere Daten zu NSCLC und Ovarialkarzinom aus Phase-Ib-Studien vorgestellt.

Avelumab wird derzeit in einer Phase-II-Studie (JAVELIN Merkel 200) zu metastasiertem Merkelzellkarzinom (MCC ) untersucht. Das MCC ist eine seltene und aggressive Form von Hautkrebs, für die es derzeit keine zugelassene spezielle Therapie gibt. Die Phase-II-Studie untersucht die Sicherheit und Wirksamkeit von Avelumab bei Patienten mit metastasiertem MCC, deren Krankheit nach mindestens einem Zyklus Behandlung durch Chemotherapie vorangeschritten war. Primärer Endpunkt der Studie ist die objektive Ansprechrate. Zu den sekundären Endpunkten zählen Ansprechdauer, progressionsfreies Überleben, Gesamtüberleben und Sicherheit. Bis zum 3. Quartal 2015 waren insgesamt 88 Patienten in diese Studie mit Prüfzentren in den Regionen Asien-Pazifik, Australien, Europa und Nordamerika aufgenommen worden. Sie ist die größte jemals in einer solchen Patientenpopulation durchgeführte Studie. In den USA erteilte die FDA im September „Orphan Drug“-Status für Avelumab in der Indikation MCC, gefolgt von „Fast Track“- und „Breakthrough Therapy“-Status im 4. Quartal 2015. Im Dezember erteilte die Europäische Kommission außerdem „Orphan Drug“-Status für Avelumab in der Indikation metastasiertes MCC und folgte damit der positiven Stellungnahme des Ausschusses für „Orphan Drug“-Arzneimittel (COMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA).

Merck und Pfizer haben zwei internationale Phase-III-Studien zu Avelumab in der Indikation NSCLC gestartet. Studienbeginn der ersten Studie, JAVELIN Lung 200, in die rund 650 Patienten eingeschlossen werden sollen, war im April. Ziel dieser klinischen Prüfung ist die Untersuchung von Avelumab im Vergleich zu Docetaxel bei Patienten mit Krankheitsprogression nach vorausgegangener platinhaltiger Doublet-Chemotherapie. Primärer Endpunkt der Studie ist das Gesamtüberleben von Patienten mit PD-L1-positivem (programmed death-ligand 1 positive/PD-L1+) NSCLC. Die zweite Studie, JAVELIN Lung 100, untersucht die Sicherheit und Wirksamkeit von Avelumab im Vergleich zu einer platinbasierten Doublet-Chemotherapie bei Patienten mit NSCLC im Spätstadium, die noch keine Behandlung gegen systemischen Lungenkrebs erhalten haben. Die Phase-III-Studie ist eine offene, multizentrische, randomisierte klinische Prüfung, in der Patienten mit rezidivierendem oder im Stadium IV befindlichem PD-L1-positivem NSCLC abhängig von ihrer Histologie (entweder plattenepithelial oder nicht-plattenepithelial) entweder Avelumab oder eine platinbasierte Erstlinien-Chemotherapie nach Wahl des Prüfarztes erhalten. In die Studie werden voraussichtlich etwa 420 Patienten in mehr als 240 Prüfzentren weltweit eingeschlossen. Primärer Endpunkt der Studie ist das progressionsfreie Überleben bei PD-L1-positiven (PD-L1+) Patienten. Zu den sekundären Endpunkten zählen progressionsfreies Überleben bei stark PD-L1-positiven (PD-L1++) Patienten, Gesamtüberleben, objektive Ansprechrate, Lebensqualität, Verträglichkeit und Sicherheit bei Patienten, die mit Avelumab im Vergleich zu Chemotherapie nach Wahl des Prüfarztes behandelt wurden.

Im Dezember haben Merck und Pfizer den Start von vier weiteren Phase-III-Studien zur Untersuchung von Avelumab in weiteren Indikationen bekannt gegeben. Mit der Studie JAVELIN Gastric 100 soll eine mögliche Überlegenheit von Avelumab als Erhaltungstherapie bei fortgeschrittenem oder metastasiertem Karzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs gegenüber fortgesetzter Erstlinientherapie mit einem platinbasierten Chemoregime geprüft werden. In diese randomisierte, offene Studie sollen 650 Patienten in über 220 Prüfzentren weltweit aufgenommen werden. JAVELIN Gastric 300 untersucht Avelumab als Drittlinientherapie bei fortgeschrittenem oder metastasiertem Karzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs und wird ungefähr 330 Patienten in mehr als 170 Prüfzentren weltweit einschließen. Bei JAVELIN Ovarian 200 wird Avelumab zur Behandlung von platinresistentem/-refraktärem Ovarialkarzinom eingesetzt. Die Prüfärzte wollen etwa 550 Patienten in über 190 Prüfzentren in die Studie aufnehmen. Darüber hinaus wird Avelumab in der Studie JAVELIN Bladder 100 als Erstlinien-Erhaltungstherapie bei Patienten mit Karzinomen des Urothels untersucht. In diese Studie sollen rund 670 Patienten in mehr als 200 Prüfzentren in 38 Ländern eingeschlossen werden. Primärer Endpunkt aller Studien ist das Gesamtüberleben.

Wir haben eine Phase-I-Studie mit einem neuartigen Prüfkandidaten namens M7824 gestartet. In diese offene Studie mit aufsteigender Dosierung sollen 106 Patienten aufgenommen werden. Dieser potenzielle erste Vertreter einer bifunktionalen Immuntherapie soll gleichzeitig zwei immunhemmende Signal wege blockieren, die typischerweise von Krebszellen dazu genutzt werden, dem Immunsystem zu entgehen. Durch die Wiederherstellung und Verstärkung von gegen den Tumor gerichteten Immunreaktionen soll das Tumorwachstum potenziell in Schach gehalten werden.

Zum Ausbau unseres F&E-Technologieportfolios im Bereich Immunonkologie sind wir mit der Intrexon Corporation eine exklusive strategische Kooperations- und Lizenzvereinbarung zur Entwicklung und Vermarktung von T-Zell-Krebstherapien auf Basis von chimären Antigenrezeptoren (CAR-T) eingegangen. Bei den CAR-T-Zellen handelt es sich um gentechnisch veränderte T-Zellen mit synthetischen Rezeptoren, die ein bestimmtes Antigen, das auf Tumorzellen exprimiert wird, erkennen. Durch Bindung der CAR-T-Zellen an ihre Zielstruktur wird eine immunologische Abwehrreaktion gegen die Krebszellen ausgelöst. Mit dem Einsatz der Zellmodifikationstechniken und der RheoSwitch®-Plattform von Intrexon setzen wir bei der Kooperation auf die Entwicklung von führenden Produkten, die das Immunsystem befähigen, die aktuellen Herausforderungen der CAR-T-Therapie zu meistern. Schwerpunkt unserer Kooperation ist die Entwicklung einer CAR-T-Plattform der nächsten Generation, aus der Arzneimittelkandidaten hervorgehen sollen.

Neurologie/Immunologie

Im Bereich Multiple Sklerose haben wir im September unsere Absicht bekundet, Daten zu unserem Prüfpräparat Cladribin-Tabletten für die Behandlung von schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (RRMS) bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) einzureichen. Die Entscheidung folgt unserer Bewertung neuer Daten und zusätzlicher Auswertungen, die eine bessere Charakterisierung des Nutzen-Risiko-Profils der Substanz ermöglichen. Pläne zur Einreichung in anderen geografischen Regionen sind ebenfalls in Entwicklung. Wir hatten 2011 unser klinisches Entwicklungsprogramm für Cladribin-Tabletten heruntergefahren, nachdem einige Zulassungsbehörden Bedenken über die unzureichende Charakterisierung des Nutzen-Risiko-Profils des Arzneimittelsgeäußert hatten. Dennoch durften einige groß angelegte klinische Studien weitergeführt werden und es wurden zusätzliche Sicherheitsinformationen in einem Langzeitregister erfasst.

Im Rahmen des ECTRIMS-Kongresses (European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis) wurden Anfang Oktober in Barcelona acht Abstracts zu Rebif® vorgestellt, unserem in hoher Dosis und hoher Frequenz verabreichten Interferon beta-1a zur Behandlung von schubförmiger Multipler Sklerose. Zu den präsentierten Daten gehörten Post-hoc-Bewertungen kontrollierter Studien zu schubförmiger MS hinsichtlich prädiktiver Scores für Krankheitsaktivität und Progression der Behinderung sowie eine Kosten-Nutzen-Analyse zu Rebif® gegenüber Avonex® (Interferon beta-1a), basierend auf dem Fehlen von Anzeichen für Krankheitsaktivität (NEDA, no evident disease activity). Diese neuen Daten sollen Ärzten und Patienten helfen, informierte Behandlungsentscheidungen zu treffen und den Einfluss von Rebif® bei Patienten mit schubförmiger MS besser zu verstehen.

Mit den jährlich verliehenen Grants for Multiple Sclerosis Innovation (GMSI) wollen wir in unserem Biopharma-Geschäfterstklassige externe Forschungsprojekte aus aller Welt zu bestimmten Aspekten von MS fördern. 2015 ging die Auszeichnung im Rahmen des 31. ECTRIMS-Kongresses an vier Forschungsgruppen aus den Niederlanden, Finnland, Italien und Großbritannien.

Das „Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry“ (JNNP) hat 2015 Daten aus einem 15-Jahres-Follow-up zu Rebif® aus der PRISMS-Studie (Prevention of Relapses and Disability by Interferon beta-1a Subcutaneously in Multiple Sclerosis) veröffentlicht. Die publizierten Daten analysierten über einen Zeitraum von 15 Jahren den Zusammenhang zwischen einer kumulativen Exposition mit Rebif® beziehungsweise anderen potenziell prognostischen Faktoren und dem langfristigen Therapieergebnis bei schubförmig-remittierender Multipler Sklerose. In diesen explorativen Post-hoc-Analysen gingen höhere IFN β-1a-Dosen und ein längerer Behandlungszeitraum bei Patienten mit RRMS mit besseren Langzeitergebnissen über viele Jahre einher.

Des Weiteren haben wir die Patientenaufnahme in eine Studie der Phase IIa zu M2736 (auch bekannt als ATX-MS-1467), einem Wirkstoff aus der Forschung zur Auslösung von immunologischer Toleranz, abgeschlossen. Hierbei handelt es sich um eine offene, einarmige Proof-of-Principle-Studie zur Untersuchung der Sicherheit von M2736 und seines Einflusses auf Immuntoleranz bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose. Hierzu sind häufige Magnetresonanztomografien zur strukturellen Bildgebung des Nervensystems erforderlich. Das Ergebnis der Studie wird für 2016 erwartet.

Im Therapiegebiet Immunologie erreichte unser lösliches Fusionsprotein Atacicept mit dem Abschluss der Patientenaufnahme in die Studie ADDRESS II einen wichtigen Meilenstein. Hierbei handelt es sich um eine klinische Studie der Phase IIb bei Patienten mit systemischem Lupus erythematodes (SLE). Die geplante Teilnehmerzahl von 279 Patienten mit SLE wurde vorzeitig erreicht. Aussagekräftige Studienergebnisse werden für 2016 erwartet.

Fertilität

Ovidrel® (rekombinantes hCG), ein Hormon zur Anregung von Follikelreifung und Eisprung, wurde in Japan in einer zulassungsrelevanten Phase-III-Studie in der Indikation Ovulationsinduktion untersucht, um die verfügbaren Daten aus weltweiten Zulassungsstudien zu dieser Indikation und zu fortgeschrittenen Reproduktionsbehandlungen zu ergänzen. Basierend auf dem positiven Ergebnis dieser Studie bereiten wir derzeit die Einreichung auf Marktzulassung in Japan vor.

Das Biopharma-Geschäft hat seine finanzielle Unterstützung des Grant for Fertility Innovation (GFI)-Programms mit Fördergeldern für 2015 und 2016 in Höhe von insgesamt bis zu 1,2 Mio € zugesagt. Die Ankündigung erfolgte im Rahmen der 31. Jahrestagung der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) in Lissabon. Mit dem 2009 eingeführten GFI-Förderprogramm sollen innovative translationale Forschungsprojekte im Bereich Fertilität zu konkreten Gesundheitslösungen weiterentwickelt werden, um die Erfolgsrate der assistierten Reproduktionstechnologie (ART) zu verbessern. In den vergangenen sechs Jahren gingen beim GFI-Förderprogramm rund 750 Anträge aus über 50 Ländern weltweit ein. Mit unserem BTK-Inhibitor (2951) sind wir im 4. Quartal in die Phase I der klinischen Prüfung bei Patienten mit SLE eingetreten.

Endokrinologie

Im Juli genehmigte die Europäische Kommission (EC) eine Änderung der Marktzulassung für Kuvan® (Sapropterindihydrochlorid), die den Einsatz bei Kindern unter vier Jahren mit Phenylketonurie (PKU) mit nachweislichem Ansprechen auf eine derartige Behandlung zulässt. Die Entscheidung der EC stützte sich auf eine Prüfung der Daten aus der klinischen Phase-IIIb-Studie SPARK. Am 1. Oktober haben wir den Abschluss einer Vereinbarung mit dem im kalifornischen San Rafael ansässigen amerikanischen Unternehmen BioMarin harmaceutical, Inc. bezüglich der Rückgabe der Rechte an Kuvan® bekannt gegeben. Mit diesem Schritt wollen wir uns wieder auf die Kernbereiche unseres Unternehmensbereichs Healthcare konzentrieren. Des Weiteren vereinbarten wir die Rückgabe unserer Entwicklungs- und Vermarktungsoption zu Peg-Pal, einer Prüfsubstanz, die ebenfalls zur Behandlung von PKU eingesetzt werden soll.

Mit den Jahresstipendien des Grant for Growth Innovation (GGI) fördert unser Biopharma-Geschäft vielversprechende externe Forschungsprojekte aus dem Bereich der Wachstumsstörungen. 2015 fiel die Vergabe des GGI an zwei Forschungsgruppen aus Großbritannien und den USA mit der 54. Jahrestagung der European Society for Paediatric Endocrinology (ESPE) in Barcelona zusammen.

General Medicine

Am 3. November 2015 haben wir bekannt gegeben, dass die britische Zulassungsbehörde die beantragte Änderung der Zulassung von Glucophage® XR (mit verzögerter Freisetzung des Wirkstoffs Metformin) für die Behandlung von Patienten mit Diabetes Typ II genehmigt hat. Mit dieser Änderung entfällt die Kontraindikation mäßig eingeschränkte Nierenfunktion im Stadium 3a in Abwesenheit von anderen Erkrankungen, die das Risiko für Laktatazidose und chronische Herzinsuffizienz erhöhen könnten. Dies bedeutet, dass Glucophage® XR nun auch bei Patienten mit stabiler chronischer Herzinsuffizienz eingesetzt werden kann, eine regelmäßige Kontrolle der Herz- und Nierenfunktion vorausgesetzt. Die französische Zulassungsbehörde hatte dieses Jahr bereits die entsprechenden Änderungen für Glucophage® IR (mit sofortiger Freisetzung des Wirkstoffs Metformin) unter Streichung derselben Kontraindikationen gebilligt. Diese Änderungen gelten in allen Ländern der Europäischen Union. Die Entscheidungen basierten auf Auswertungen umfangreicher Daten von Merck zu Wirksamkeit und Sicherheit, die über viele Jahre erhoben wurden, sowie auf neuen klinischen Studien zu Glucophage®.

Erst kürzlich haben wir die Zulassung für Metformin zur Behandlung von Prädiabetes in Ungarn erhalten. Diese Zulassung folgt auf bereits erteilte Genehmigungen von Glucophage® zur Behandlung von Patienten mit diesem Diabetes-Vorstadium in Mexiko, Polen, den Philippinen und der Türkei.

Vernachlässigte Krankheiten

Merck fördert eine konzernweite Initiative für besseren Zugang zu Gesundheit (Access to Health), um die wichtigsten ungedeckten medizinischen Bedarfe bei vernachlässigten Tropenkrankheiten – vor allem bei Kindern aus Entwicklungsländern – anzugehen. Hierzu gehört auch eine F&E-Plattform mit Schwerpunkt auf tropischen und vorrangigen übertragbaren Erkrankungen. In diesem Zusammenhang haben wir die Rechte an der Prüfsubstanz DDD 107498 gegen Malaria von der Medicines for Malaria Venture (MMV) erhalten. Ziel des zukünftigen klinischen Programms ist der Nachweis, ob die Prüfsubstanz in unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Malariaerreger wirksam ist und lange genug im Körper verweilt, um potenziell als Einmaldosis gegen die gefährlichsten Malariastämme eingesetzt werden zu können.


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Biopharma-Pipeline

Stand: 31.12.2015

Therapiegebiet
Wirkstoff
Indikation Status
Neurodegenerative Erkrankungen    
Cladribin-Tabletten (Lymphozyten-reduzierender Wirkstoff) Schubförmige Multiple Sklerose Zulassungs prozess1
M2736 (Immuntoleranz-Wirkstoff) Schubförmige Multiple Sklerose Phase II
     
Onkologie    
Tepotinib (c-Met-Kinase-Inhibitor) Nicht kleinzelliges Bronchialkarzinom Phase II
Tepotinib (c-Met-Kinase-Inhibitor) Leberzellkarzinom Phase II
Tepotinib (c-Met-Kinase-Inhibitor) Solide Tumoren Phase I
BeiGene-283 ( BRAF -Inhibitor) Solide Tumoren Phase I
M2698 (p70S6K/Akt-Inhibitor) Solide Tumoren Phase I
M3814 ( DNA -PK-Inhibitor) Solide Tumoren Phase I
     
Immunonkologie    
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Nicht kleinzelliges Bronchialkarzinom, Erstlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Nicht kleinzelliges Bronchialkarzinom, Zweitlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Karzinom des Magens / gastroösophagealen Übergangs, Erstlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Karzinom des Magens / gastroösophagealen Übergangs, Drittlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Platinresistentes /-refraktäres Ovarialkarzinom Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Harnblasenkarzinom, Erstlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Merkelzellkarzinom der Haut Phase II
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Solide Tumoren Phase I
M9241 ( NHS -IL12, Krebsimmuntherapie) Solide Tumoren Phase I2
M7824 (bifunktionale Immuntherapie) Solide Tumoren Phase I
     
Immunologie    
Atacicept (Anti-Blys-/Anti- APRIL -Fusionsprotein) Systemischer Lupus erythematodes Phase II
Sprifermin (Fibroblasten-Wachstumsfaktor 18) Osteoarthrose Phase II
M1095 (Anti-IL-17A/F-Nanobody) Psoriasis Phase I
M2951 ( BTK -Inhibitor) Systemischer Lupus erythematodes Phase I
1
Laut Mitteilung vom 11. September 2015 bereitet Merck die Einreichung auf Marktzulassung bei der Europäischen Arzneimittelagentur vor.
2
Studie gefördert vom National Cancer Institute (USA).
Weitere Informationen zu aktuellen klinischen Studien finden Sie unter www.clinicaltrials.gov.


Akt
Proteinkinase B
APRIL
Proliferationsinduzierender Ligand
BLyS
B-Lymphozyten-Stimulator
BTK
Brutontyrosinkinase
IL
Interleukin
PD-L1
Programmierter Zelltod-Ligand 1
PK
Proteinkinase

Consumer Health

In unserem Selbstmedikationsgeschäft Consumer Health entwickeln und vertreiben wir nicht-verschreibungspflichtige Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel in Europa, vorrangig für Frankreich, Deutschland und Großbritannien, sowie in Wachstumsmärkten Lateinamerikas, des Nahen Ostens, Afrikas und Südostasiens. Der Schwerpunkt unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten liegt auf der stetigen Verbesserung bewährter Rezepturen sowie der Entwicklung von neuen Produkten und Erweiterungen von Produktlinien. Der Konsument und seine Bedürfnisse stehen im Zentrum unserer Innovationstätigkeiten. Dabei stützen wir uns auf intensive Marktforschung in unseren Hauptmärkten. Zu diesem Zweck etablieren wir seit 2014 verstärkt Kooperationsvereinbarungen mit unabhängigen Forschungseinrichtungen, um so gezielt auf deren Expertise bei der Entwicklung von neuen Produkten gemäß den speziellen Bedürfnissen unserer Kunden zurückzugreifen.

Biosimilars

Merck setzte im Jahr 2015 die klinische Entwicklung von Biosimilars erfolgreich fort. Der Beginn einer ersten Biosimilar-Phase-III-Studie ist für das erste Quartal 2016 geplant. Außerdem haben wir die Pipeline mit weiteren Biologika aufgestockt, um uns ein attraktives Portfolio an Biosimilars und ein nachhaltiges Biosimilars-Geschäft zu sichern.

Allergopharma

Unser Allergiegeschäft Allergopharma ist einer der führenden Hersteller diagnostischer Tests und verschreibungspflichtiger Arzneimittel für die allergenspezifische Immuntherapie (AIT). Mit unserer eigenen Forschung und Entwicklung sowie in Kooperation mit Forschungsinstituten und externen Partnern tragen wir zu einem besseren Verständnis des immunologischen Mechanismus bei, der sich hinter der Entwicklung von Allergien verbirgt, und arbeiten aktiv an der nächsten Generation von Präparaten für die allergenspezifische Immuntherapie.

Life Science

Innovationen sind elementar, wenn es darum geht, für unsere Kunden Mehrwert zu schaffen. Unser Unternehmensbereich Life Science beschäftigt weltweit über 650 Mitarbeiter in unterschiedlichen Funktionen der Forschung und Entwicklung. Diese Mitarbeiter arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen, um deren Bedürfnisse und Anforderungen umzusetzen. Unser oberstes Ziel ist es, die größten Herausforderungen im Bereich Life Science zu meistern und Ideen letztendlich in Produktinnovationen zu überführen. Auch 2015 investierten wir signifikant in die Life-Science-Forschung und -Entwicklung.

Das Geschäftsjahr 2015 war geprägt von erfolgreichen Innovationen. Grundsätzlich verfolgen wir unterschiedliche Aktivitäten, die sich vier Kategorien zuordnen lassen. Wir wollen:

  • unser Portfolio verbessern und ausweiten
  • langfristig in neue, bahnbrechende Technologien investieren
  • Partnerschaften mit unseren Kunden eingehen
  • den Dialog zu ungedeckten Bedürfnissen der Fachwelt führen und entsprechende Probleme lösen

Erweiterung des Portfolios

Wir haben 2015 wichtige neue Produkte eingeführt und damit unser Portfolio in allen Segmenten erweitert. Im Bereich Biomonitoring haben wir die MAS-100®-Produktreihe der Luftkeimsammler um drei Geräte ergänzt, um unser Biomonitoring-Portfolio auf Kunden aus der Lebensmittel- und Getränkeindustrie auszuweiten. Die Produktfamilie wurde zur Verwendung in Isolatoren konzipiert und ermöglicht die Probennahme an kritischen Kontrollpunkten. Die Produkte sind dank ihres kompakten und anwenderfreundlichen Designs ideal zur Verwendung in kontrollierten Umgebungen geeignet.

Im Segment RNA-Nachweis haben wir eine Reihe wichtiger neuer Produkte eingeführt. Ein Beispiel sind unsere Magna ChIRP™ RNA Interactome Kits, mit denen Forscher Chromatinbereiche leichter bestimmen, wiederherstellen und analysieren können. Die Kits ermöglichen die zuverlässige Erkennung und Entdeckung von RNA-bezogenen Gensequenzen in DNA, RNA und von Proteinen.

Bei Process Solutions haben wir unsere Provantage® Biodevelopment Services um einen Clone Generation Service ergänzt. Mit dieser Erweiterung verfügen wir jetzt über eine vollständige Palette an Dienstleistungen, die es erlauben, Ausbeute, Produktivität, Konsistenz und Effizienz bei der Herstellung von Arzneimitteln für klinische Prüfungen zu optimieren. Durch die Bereitstellung hoch exprimierender Zelllinien in hervorragender Qualität können unsere Dienstleistungen dazu beitragen, die Zeit bis zur klinischen Testung zu verkürzen. Unsere flexible Produktionsplattform bietet eine Auswahl an Zelllinien und die vollständig dokumentierten Klone erfüllen die Anforderungen der Rückverfolgbarkeit auf die Quelle für die klinische Produktion, Registrierung und Zulassung sowie kommerzielle Herstellung.

Mit der Einführung unseres neuen Mobius®-2.000-Liter-Einweg-Bioreaktors nehmen wir Einfluss auf wichtige Standards wie die Wahl der mikrobiologischen Filme und Einwegtechnologien sowohl in der Upstream- als auch in der Downstream-Produktion und bieten Kunden, die Einwegtechnologien in der Upstream-Produktion einsetzen wollen, eine voll skalierbare Lösung. Mit diesem neuen Bioreaktor können wir in Biosimilars-Märkten unsere Kunden dabei unterstützen, ihre Herstellstrategien in kurzer Zeit umzusetzen, um schneller auf den Markt zu gelangen.

Neue, bahnbrechende Technologien

In unserem Bestreben, innovativ zu sein, konzentrieren wir uns auch auf neue Technologien mit langfristigem Einfluss. Wir haben ein US-amerikanisches Patent zur Entwicklung eines selektiven Schichtbildungsverfahrens erhalten, mit dem die Konsistenz der Virusfiltrationsleistung erheblich verbessert werden kann. Dieses Verfahren kommt bei der Herstellung unserer Viresolve®-Pro-
Filtrationseinheit zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um eine Virusfiltrationstechnologie zur leistungsstarken Abreicherung von Parvoviren bei der Herstellung von monoklonalen Antikörpern und therapeutischen Proteinen. Dank der selektiven Membranschichten bietet Viresolve® Pro eine branchenführende Konsistenz, die anderen Virusfiltrationsgeräten am Markt überlegen ist.

Um unsere Führungsrolle bei der Tangentialflussfiltration (TFF) zu festigen, haben wir die Single-Pass- TFF mit Pellicon®-Kassetten eingeführt. Hierbei handelt es sich um eine optimierte Anwendung unserer bestehenden Technologie, mit der Verfahrensströme konzentriert werden können, ohne dass eine Rezirkulationsschleife wie bei der konventionellen TFF erforderlich ist. Mit dieser Anwendungsalternative entfallen typische Verfahrenseinschränkungen durch höhere Volumina oder Konzentrationsfaktoren, wodurch eine höhere Kapazität erreicht werden kann. Durch die Kombination des TFF-Schritts mit anderen Prozessschritten ist außerdem ein durchgängiger Verfahrensablauf möglich.

Zur weiteren Beschleunigung des Wachstums bei der Zellanalyse haben wir die neue CHO-Plattform Cellvento™ für Zellkulturmedien und Begleitfeeds für Anwendungen bei Batch, Batch-Feed und Perfusion eingeführt. Die chemisch definierten und ohne tierische Stoffe produzierten Medien liefern überlegenes Zellwachstum und Produktivität für eine ganze Palette von CHO-Zelltypen, die bei der biopharmazeutischen Entwicklung und Herstellung zum Einsatz kommen. Die Produktpalette gibt Kunden die Flexibilität, das passendste Produkt für bestmögliche Resultate ihrer gegebenen Zelllinie zu wählen.

Des Weiteren haben wir eine neue Technologie eingeführt, mit der Zellkulturmedien aus Trockenpulver granuliert werden können. Dadurch erhöht sich die Löslichkeit, zudem wird die Handhabung von Zellkulturmedien einfacher, die bei der biopharmazeutischen Herstellung verwendet werden. Mit den bedienungsfreundlicheren kompaktierten Medien können Biopharmazeutika-Hersteller ihre Upstream-Prozesse weiter optimieren.

Partnerschaften

Im Februar sind wir eine Partnerschaft mit Precision Biologics, Inc. eingegangen. Im Rahmen der Zusammenarbeit wollen wir Serviceleistungen für das Upstream-Processing dieses in Texas ( USA ) ansässigen Biotechnologie-Unternehmens erbringen, um einen präklinischen monoklonalen Antikörper weiterzuentwickeln. Dieser Antikörper namens NEO-201 bindet an ein tumorspezifisches Antigen, das bei einigen Krebsarten vorhanden ist. Dadurch ist er potenziell für die Therapie von unterschiedlichen Krebserkrankungen wie zum Beispiel Dickdarm-, Lungen-, Eierstock- und Bauchspeicheldrüsenkrebs geeignet – letzterer ist eine Krebsart mit besonders hoher Sterberate und begrenzten Behandlungsmöglichkeiten.

Im Mai haben wir eine Vereinbarung mit Singulex, Inc. getroffen, gemäß derer wir das Geschäft der Life-Science-Forschung dieses Entwicklers und führenden Anbieters der „Single Molecule Counting“-Technik steuern werden. Damit verfügen wir über die Exklusivrechte auf Weiterentwicklung und weltweite Vermarktung dieser Technik für Forschungsanwendungen.

Wissenschaftlichen Dialog voranbringen

Für den Bereich Filtration haben wir einen wissenschaftlichen Beratungsausschuss eingerichtet, der 2015 bereits zu einer Antrittssitzung zusammengekommen ist. Dessen Ziel ist es, die größten Herausforderungen auf dem Gebiet der Filtration in Zusammenarbeit mit unseren Kunden zu lösen. Hierzu bringen wir Experten aus dem Anwendungsbereich mit Technologieexperten zusammen. Zu den Mitgliedern gehören einige der sachkundigsten externen Spezialisten für Filtration, renommierte Wissenschaftler sowie Mitarbeiter unseres Unterneh mensbereichs Life Science. Als ein führender Anbieter im Bereich Filtration engagieren wir uns kontinuierlich dafür, neue bahnbrechende Innovationen auf diesem Gebiet zu erforschen. Der Arbeitsschwerpunkt des Ausschusses liegt darauf, die dringendsten unerfüllten Bedürfnisse im Bereich Filtration zu identifizieren und zu erforschen.

Im 3. Quartal veröffentlichte die Fachzeitschrift „Methods of Molecular Biology“ zwei von unseren Experten verfasste Kapitel zum Einsatz unserer PVDF-(Polyvinylidenfluorid-)Membranen der Marke Immobilon für die Proteinanalyse. Wir wurden aufgrund unserer maßgeblichen Präsenz und unseres Beitrags zur Westernblot-Anwendung vorgestellt. Dies ist die am häufigsten verwendete Analysemethode in der Zell- und Molekularbiologie.

Darüber hinaus haben wir ein Original-Weißbuch veröffentlicht, mit dem wir dem Einfluss der sich herausbildenden Biotechnologie-Community auf die Zukunft des Gesundheitssektors Rechnung tragen. Das Weißbuch war das Ergebnis des Emerging Biotech Summit, der im Juni in Philadelphia (Pennsylvania, USA) stattfand. Dieser Gipfel war von unseren zwei Unternehmensbereichen Life Science und Healthcare organisiert und von 40 führenden Biotechnologie-Unternehmen aus den USA besucht worden. In diesem Rahmen eröffneten wir einen offenen Dialog innerhalb der Biotechnologie-Fachwelt und erhielten Einblicke von Führungskräften bezüglich der schnelleren klinischen Prüfung von Produkten und der Einführung lebensrettender Arzneimittel.

Für unsere Produktinnovationen haben wir 2015 einige wichtige Branchenauszeichnungen erhalten:

Im September wurden wir auf der Preisverleihungszeremonie der American Business Awards 2015 in San Francisco (Kalifornien, USA) mit einem „Stevie Award“ für unsere AFS®-Laborwassersysteme ausgezeichnet. Das neue AFS-E-Großsystem war als Finalist in der Kategorie „Bestes Produkt – Gesundheit & Arzneimittel“ nominiert worden. Moderne Diagnoselabore benötigen mehrere kompakte Wassersysteme, um ein einzelnes Analysegerät oder mehrere kleinere zu bespeisen. Unsere AFS-E-Systeme erfüllen dieses Bedürfnis.

Im November sind wir von der amerikanischen Fachzeitschrift „R&D Magazine“ mit zwei „R&D 100 Awards“ ausgezeichnet worden. Diese gelten als die „Oscars für Innovationen“ und werden für Technologien aus einem breiten Spektrum an Branchen wie Telekommunikation, Hochenergiephysik, Software, Produktion und Biotechnologie vergeben. Unsere AFS-Wasseraufbereitungssysteme gingen als Sieger der Kategorie „Prozesse und Prototypen“ hervor, während unsere Simplicon™-Technologie zur RNA-Reprogrammierung den Spitzenplatz der Kategorie „Analysen / Tests“ belegte. Diese Technologie ermöglicht es, virusfreie, humaninduzierte Stamm zellen in einem einzigen Transfektionsschritt sicher und effizient zu erzeugen, womit Wissenschaftlern eine effektive Reprogrammierungsmethode bei der Erforschung von Erkrankungen zur Verfügung steht.

Performance Materials

Wir sind der unangefochtene Markt- und Technologieführer bei Flüssigkristallen (Liquid Crystals, kurz LCs), die vor allem in Fernsehgeräten und in der mobilen Kommunikation Anwendung finden, sowie einer der führenden Anbieter dekorativer und funktioneller Effektpigmente. Kunden aus den Branchen Unterhaltungselektronik, Beleuchtung, Lack, Drucktechnik, Kunststoffanwendungen und Kosmetik nutzen unsere Hightech-Materialien und -Lösungen.

Display Materials

Die Smartphones und Tablets der neuesten Generation mit ihren brillanten Touchscreens wären ohne den jüngsten Technologiesprung bei den Flüssigkristalldisplays nicht denkbar. Für diese Mobilgeräte entwickelten wir die UB- FFS-Technologie (Ultra-Brightness Fringe-Field Switching) mit einem neuen Schaltmodus. Sie hat das Potenzial, die Lichtdurchlässigkeit der Displays um bis zu 15% zu steigern. Vorteile der neuen Technik: Zum einen verbraucht sie weniger Strom und die Batterie-Lebensdauer der mobilen Endgeräte wird erhöht, zum anderen steigt die Qualität der mobilen Displays und stärkt den Trend zu höheren Auflösungen. Die Markteinführung verläuft sehr erfolgreich: Der neue Schaltmodus wird bereits in vielen Smartphones und Tablet-PCs eingesetzt. Für diese bahnbrechende Technologie wurde Merck im April 2015 der Deutsche Innovationspreis verliehen. Im Juni gewann Merck, ebenfalls für die UB-FFS-Technologie, in San José in Kalifornien den „Display Industry Award 2015“ der Society for Information Display (SID).

Mit der strategischen Merck-Initiative „LC 2021“ bündeln wir unsere zukünftigen Aktivitäten im Bereich der Flüssigkristalle. Zum einen richten wir das Augenmerk auf die Weiterentwicklung der herkömmlichen Displaytechnologie – wir wollen Beiträge für robustere, flexiblere Bildschirme sowie für den Einsatz der holografischen 3D-Technik liefern. Zum anderen fokussieren wir uns auf Anwendungen außerhalb von Displays. Hierzu zählen neue Lichtmanagementsysteme oder „smarte Antennen“ zur besseren Kommunikation mit Satelliten. Ein weiteres Arbeitsgebiet sind Flüssigkristallfenster (Liquid Crystal Windows, kurz LCW). Sie können nicht nur die Licht-, sondern auch die Wärmedurchlässigkeit von Fenstern in Gebäudefassaden regulieren. Für solche Anwendungen investieren wir weiter in die Materialentwicklung, die Pilotproduktion der ersten „smarten“ Fenster läuft auf Hochtouren. 2015 wurden bereits die ersten LCW-Einheiten in das neue Innovationszentrum von Merck in Darmstadt eingebaut. Zur breiten Vermarktung sind Kooperationen mit Partnern in der Glas- und Fassadentechnologie geplant.

Zukunft und Potenzial der Displaytechnologie sind seit einiger Zeit Thema unseres jährlichen Symposiums „Displaying Futures“, das 2015 in San Francisco stattfand. Dort führten wir renommierte Zukunftsforscher mit über einhundert Kunden und Geschäftspartnern zusammen.

In Japan, Korea, China und Taiwan – vier Kernmärkten für Performance Materials – folgten im Herbst rund 700 Kunden unserer Einladung zu Workshops unter dem Motto „Creating the perfect pixel – through partnership“. Dabei handelte es sich größtenteils um Forscher und Ingenieure verschiedener Displaypanel-Hersteller. Ziel dieser sehr erfolgreichen Veranstaltungen ist es, unsere Kernkompetenzen darzustellen, Visionen mit unseren Kunden zu diskutieren, unsere Technologieführerschaft zu demonstrieren und auch die Nähe zum Kunden zu stärken.

Hochwertige Pigmente und funktionelle Materialien

Die jüngste Entwicklung auf dem Gebiet der Effektpigmente sind Pigmente der Marke Meoxal®. Sie bestechen durch eine außergewöhnlich hohe Farbsättigung und hervorragende Performance. Dafür sorgt eine innovative Schichttechnologie, bei der Aluminium-Flakes als Substrat eingesetzt werden. Die Produkte sind für vielfältige High-Performance-Anwendungen geeignet, insbesondere für Automobil- und Kunststofflackierungen.

Mit Xirallic® NXT bringt Merck eine neue patentgeschützte Produktgeneration der bekannten Hightech-Effektpigmente auf den Markt, die den Kunden einen außergewöhnlichen sogenannten Living-Sparkle-Effekt, hohes Styling-Potenzial und konsistente Qualität bietet. Das erste Produkt der neuen Generation – Xirallic® NXT Panthera Silver – ist ein dunkelgraues, metallisch wirkendes Effektpigment.

Neben den hochwertigen Effektpigmenten produzieren wir funktionelle Materialien für technische Anwendungen, aber auch für Kosmetik, mit entsprechenden Füll- und Wirkstoffen. 2015 wurde mit RonaCare® Serene Shield pünktlich zur Leitmesse InCosmetics in Barcelona ein neuer kosmetischer Wirkstoff vorgestellt. Der Wirkstoff soll der Haut in jedem Alter helfen, die Anfälligkeit für Akne zu reduzieren.

Im Bereich der technischen Anwendungen haben wir Additive für die Lasermarkierung von Kunststoffen und leitfähigen Beschichtungen entwickelt. Diese Additive sorgen zudem für die Wärmereflexion von Gewächshäusern. Auch im Bereich der Hochspannungstechnik arbeiten wir an funktionellen Materialien – hier wollen wir rund um das Thema „Energy Management“ neue Märkte erschließen. Im Rahmen des Forschungsprojekts „iShield“, das angesichts seiner Zukunftsträchtigkeit auch staatlich gefördert wird, entwickeln wir gemeinsam mit universitären und industriellen Partnern seit Herbst 2015 neuartige Materialien für die Schirmung von Generatoren und Motoren.

Integrated Circuit Materials

In der Geschäftseinheit Integrated Circuit Materials, die Produkte für integrierte Schaltkreise liefert, haben wir eine Produktpalette für Anwendungen der „Extreme UV Lithography“ (EUV) entwickelt, die bereits bei mehreren Kunden aus der Halbleiterindustrie für deren Prozesse qualifiziert ist. Die „Shrink“-Technologie erlaubt es, lithographisch erzeugte Strukturen nachträglich zu verkleinern und so Auflösungsbeschränkungen der Belichtungstechnologie kostengünstig zu umgehen. Neue Produkte stehen kurz vor dem Produktionseinsatz. So sind wir führend in Directed Self Assembly (DSA), einer wegweisenden Technologie, die für alle Hersteller fort geschrittener Halbleiter entscheidend ist. Bei DSA ist die Information für kleinste Strukturen bereits in der chemischen Natur des Beschichtungsmaterials enthalten. Wir arbeiten zusammen mit unseren Kunden an der Einführung von DSA als einer Standard-IC-Herstellungsmethode in den nächsten Jahren. Darüber hinaus forschen wir intensiv auf dem Gebiet dicker Perhydropolysilazan-Produkte für die 3D-Chip-Technologie sowie neuartige Isolationsmaterialien.

Die Weiterentwicklung der Flachbildschirm-Technologie hin zu größeren Formaten und höheren Taktfrequenzen erfordert inzwischen Strukturgrößen an der Grenze der Auflösungsfähigkeit der Belichtungsgeräte. So konnten wir die sogenannte Tandem-Harz-Technologie mit einer besonderen Molekulargewichts-Verteilung aus dem IC-Bereich übertragen und somit eine Photoresist-Auflösung nahe der theoretischen Grenze erreichen. Bei der Siliziumtechnologie befinden sich neue Siloxan-Materialien in fortgeschrittenen Teststadien: als Planarisierungsschichten für hochauflösende Bildschirme und als Dünnschicht-Barriere für OLED-Beleuchtungen.

Der im September getätigte Zukauf Ormet hat auf Basis einer speziellen, umweltfreundlichen Technologie leitfähige Pasten entwickelt, mit denen sich technische Herausforderungen beim Halbleiter-Packaging lösen lassen. Das ist besonders reizvoll angesichts der steigenden Nachfrage nach hochgradig integrierten Geräten wie Mobiltelefonen oder Wearables.

Advanced Technologies

Ein herausragendes Beispiel für unsere Aktivitäten im Geschäftsbereich Advanced Technologies sind organische lichtemittierende Dioden (OLED), die in neuen Beleuchtungstechniken und Displaytechnologien verwendet werden. OLEDs stehen für brillante Farben und scharfe Bilder aus jedem Blickwinkel, eine lange Lebensdauer und höchste Energieeffizienz. OLEDs ermöglichen es zudem, Displays auch in runden Formen oder flexibel zu gestalten – damit sind sie für den Einsatz in neuesten technischen Anwendungen prädestiniert. Ein Beispiel sind sogenannte Smart Watches, Armbanduhren mit Internetzugriff und zusätzlichen Computerfunktionen.

Unsere Produktlinie für diese Art der Anwendungen heißt livilux®. Auf Basis einer mehr als zehnjährigen Erfahrung haben wir ein starkes Portfolio an weltweiten Patenten aufgebaut. Entwicklungspartnerschaften mit Kunden sind dabei ein Weg, neue Technologien zu erproben und zur Marktreife zu führen. So hat Merck gemeinsam mit dem Druckerhersteller Seiko Epson eine Technologie etabliert, mit der sich OLED-Displays drucken lassen. Während wir unser Knowhow aus der OLED-Materialentwicklung und in der Entwicklung von Tinten in die Kooperation einbrachten, steuerte Seiko Epson seine Kompetenz in Sachen Druckköpfe mit Mikro-Piezo-Inkjet-Technologie und das Prozess-Knowhow bei. Die Vorteile der gemeinsam entwickelten Technologie: geringere Kosten und höhere Materialeffizienz. Denn anders als bei aufgedampften OLED-Displays werden die Materialien bei gedruckten OLED-Displays bei Raumtemperatur unter Normaldruck aufgebracht. Zudem wird bei diesem Verfahren Material nur dort abgeschieden, wo auch tatsächlich Dioden entstehen – es ist also ressourcenschonend.

Mit der Übernahme von Qlight Nanotech wollen wir unsere führende Position bei der Erforschung und Entwicklung von Displaymaterialien weiter ausbauen. Qlight mit dem Standort Jerusalem als Forschungszentrum entwickelt Materialien und Anwendungen auf der Basis von Halbleiter-Nanokristallen. Wir erweitern damit unser Kompetenzspektrum um ein führendes Technologieteam, das beträchtliche Erfahrung und Innovationen auf dem Gebiet der Nanowissenschaft und Nanotechnologie vorweist, die unter anderem für Anwendungen in der allgemeinen Beleuchtung sowie für Displays und Bildschirme genutzt werden.