Menü

Grundlagen des Konzerns

Merck

Wir sind ein global tätiges Wissenschafts- und Technologieunternehmen mit Sitz in Darmstadt.

Im Oktober 2015 haben wir unsere Unternehmensmarke neu ausgerichtet. Die grundlegende Überarbeitung des visuellen Erscheinungsbilds sowie die Einführung eines neuen Logos reflektieren unseren Wandel zum globalen Wissenschafts- und Technologieunternehmen. Gleichzeitig haben wir die Markenarchitektur vereinfacht: Wir haben die weltweiten Rechte an dem Namen und der Marke Merck und treten künftig auch einheitlich als Merck auf – Ausnahmen sind lediglich Kanada und die USA. Hier sind wir im Biopharma-Geschäft als EMD Serono, im Life-Science-Geschäft – nach der erfolgten Übernahme von Sigma-Aldrich – als MilliporeSigma und im Material-Geschäft als EMD Performance Materials tätig.

Mit einer fast 350-jährigen Geschichte sind wir das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt. Unsere Produktpalette reicht von innovativen Pharmazeutika und Biopharmazeutika über Life-Science-Tools und Spezialchemikalien bis hin zu Hightech-Materialien. Entsprechend unserer strategischen Ausrichtung gliedert sich Merck seit dem 1. Januar 2015 in die drei Unternehmensbereiche Healthcare, Life Science und Performance Materials, in denen die sechs Geschäfte des Konzerns zusammengefasst sind. Dieser Struktur folgt seit dem 1. Januar 2015 auch unser Reporting. Ausgewiesen werden die fünf Regionen Europa, Nordamerika, Asien-Pazifik (APAC), Lateinamerika sowie Mittlerer Osten und Afrika (MEA).


Zum 31. Dezember 2015 beschäftigte Merck weltweit 49.613 Mitarbeiter. Am 31. Dezember 2014, noch vor der Übernahme von Sigma-Aldrich, waren es 39.639 Mitarbeiter.

Healthcare

Unser Unternehmensbereich Healthcare umfasst die vier Geschäfte Biopharma, Consumer Health, Biosimilars und Allergopharma. Im Geschäftsjahr 2015 generierte er 54% des Konzernumsatzes und 50% des EBITDA vor Sondereinflüssen (ohne Konzernkosten und Sonstiges), womit er der größte der drei Unternehmensbereiche des Merck-Konzerns ist.

Seit dem 1. Januar 2015 ist Belén Garijo als Mitglied der Geschäftsleitung für den Unternehmensbereich Healthcare verantwortlich. Die Regionen Europa und Nordamerika trugen 2015 60% zu den Umsatzerlösen von Healthcare bei. In den vergangenen Jahren haben wir die Präsenz des Unternehmensbereichs Healthcare in den Wachstumsmärkten stetig weiter ausgebaut. Im Geschäftsjahr 2015 trugen die Regionen Asien-Pazifik und Lateinamerika 34% zu seinen Umsatzerlösen bei.

Biopharma

In unserem Biopharma-Geschäft erforschen, entwickeln, produzieren und vermarkten wir innovative verschreibungspflichtige Arzneimittel und Biopharmazeutika zur Behandlung von Krebserkrankungen, Multipler Sklerose (MS), Unfruchtbarkeit, Wachstumsstörungen sowie bestimmter Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. Mit Hauptsitz in Darmstadt bietet Merck führende Marken für Facharzttherapiegebiete. Wir erweitern unser Forschungs- und Entwicklungsportfolio in den Bereichen Onkologie, Immunonkologie und Immunologie stetig und investieren in die Entwicklung von Programmen im Bereich Multiple Sklerose. Mit unserer Expertise bei der Findung und frühen Entwicklung von Wirkstoffen sowie rund 25 Projekten in der klinischen Entwicklung konzentrieren wir uns darauf, differenzierte neue Therapien für Patienten mit ungedecktem medizinischem Bedarf bereitzustellen.

Das umsatzstärkste Medikament von Biopharma ist Rebif® (Interferon beta-1a), ein wichtiges Arzneimittel für Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. MS ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen junger Erwachsener. Als Signal für unser kontinuierliches Engagement auf diesem Krankheitsgebiet haben wir am 11. September 2015 bekannt gegeben, dass wir eine Absichtserklärung zur Beantragung der Marktzulassung für unser Prüfpräparat Cladribin-Tabletten bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eingereicht haben. Damit wird ein Verfahren eingeleitet, um einer Reihe von Anforderungen im Vorfeld der Einreichung Rechnung zu tragen. Unser Plan zur Einreichung in anderen geografischen Regionen wird derzeit weiterentwickelt und ausgeführt.

Erbitux® ist das, am Umsatz gemessen, zweitstärkste Produkt im Portfolio von Biopharma und das Hauptprodukt im Bereich Onkologie. Das Medikament wird als Standardbehandlung in unterschiedlichen Therapielinien zur Behandlung von metastasiertem Kolorektalkarzinom (mCRC) sowie von rezidivierenden / metastasierten oder lokal fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und Halses (SCCHN) eingesetzt.

Im November 2014 ist Merck eine weltweite strategische Allianz mit Pfizer Inc. zur Entwicklung und Vermarktung von Avelumab* eingegangen. Der ursprünglich von uns entdeckte und entwickelte Anti-PD-L1-Antikörper wird derzeit von beiden Partnern gemeinsam als potenzielle Behandlung für unterschiedliche Tumorarten weiterentwickelt. Mit der Allianz wollen beide Unternehmen ihre Präsenz in der Immunonkologie vorantreiben. Wir werden darüber hinaus Ressourcen und Fachkompetenz bündeln, um den präklinischen Anti-PD-1-Antikörper (PF-06801591) von Pfizer in Phase-I-Studien zu überführen. Im Laufe des Jahres 2015 haben wir zusammen mit Pfizer sechs zulassungsrelevante Studien zu Avelumab gestartet, unter anderem zur Erst- und Zweitlinientherapie von nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC), zur Therapie von platinresistentem Ovarialkarzinom, zur Erst- und Drittlinientherapie von Magenkarzinomen und zur Erstlinientherapie von Harnblasenkarzinom. Avelumab wird derzeit zudem in einer Phase-II-Studie zu metastasiertem Merkelzellkarzinom (MCC) untersucht.

*
Avelumab ist der vorgeschlagene generische Wirkstoffname (International Nonproprietary Name, INN) für den monoklonalen Antikörper Anti-PD-L1, zuvor bekannt als MSB0010718C.

Im Rahmen der Kooperation werden wir außerdem Xalkori® (Crizotinib), einen Hemmer der anaplastischen Lymphom-Kinase (ALK), in den USA und verschiedenen anderen Schlüsselmärkten vertreiben. Dieses Medikament von Pfizer wird zur Behandlung von ALK-positiven Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom eingesetzt. Die Vertragsbedingungen sehen eine Vermarktung von Xalkori® in zwei Wellen vor. Den Anfang machten die USA, Kanada, Japan und fünf europäische Länder (Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien) im 2. und 3. Quartal 2015. In den USA und Kanada wird Xalkori® bereits durch EMD Serono vermarktet, das heißt diejenige Marke, unter der das biopharmazeutische Geschäft von Merck in diesen beiden Märkten firmiert. Die zweite Welle folgt 2016 und wird sich auf China und die Türkei erstrecken.

Das Co-Marketing ist für die USA, Kanada, Japan, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien bis zum 31. Dezember 2020 und für China und die Türkei vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2021 befristet. Im ersten Jahr erhält Merck eine Vergütung für seine Vermarktungsaktivitäten zu Xalkori®. In den darauffolgenden Jahren werden Pfizer zu 80% und Merck zu 20% an den Gewinnen beteiligt. 

Am 7. Dezember 2015 haben wir unsere Entscheidung bekannt gegeben, das Hypoxie-aktivierte Prodrug Evofosfamide in den Indikationen Weichteilsarkom und Pankreaskarzinom nicht weiterzuverfolgen, obwohl Anzeichen von Wirksamkeit bei lokal fortgeschrittenem und metastasiertem Pankreaskarzinom beobachtet wurden. Zwei Phase-III-Studien hatten bei diesen Krebsarten ihre vordefinierten primären Endpunkte nicht erreicht. Wir haben deshalb beschlossen, das Entwicklungsprogramm zu Evofosfamide nicht weiterzuverfolgen.

Unser Biopharma-Geschäft bietet außerdem Produkte für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch an. Angesichts der steigenden Nachfrage in den Wachstumsmärkten und des gesellschaftlichen Trends, die Familienplanung in spätere Lebensabschnitte zu verschieben, in denen die natürliche Fruchtbarkeit abnimmt, sind die Produkte des Therapiegebiets Fertilität ein wichtiger Wachstumstreiber für unser Biopharma-Geschäft. Als Marktführer und Innovator sind wir das einzige Unternehmen, das über ein vollständiges und klinisch erwiesenermaßen wirksames Portfolio an Präparaten für alle Phasen des Reproduktionszyklus verfügt. Hierzu gehören unter anderem rekombinante Varianten der drei für die Behandlung von Unfruchtbarkeit notwendigen Hormone. Wir vereinen über 60 Jahre an Erfahrung auf dem Gebiet der Fertilitätsbehandlung und setzen uns für verbesserte Behandlungserfolge sowie die Entwicklung und Bereitstellung von innovativen Produkten und Geräten ein. 2015 haben wir in der Kategorie Produktdesign den Red Dot Award für unsere Injektionshilfen zur Fertilitätsbehandlung, die sogenannten Pens, gewonnen. Die Pens werden im Rahmen der Fertilitätsbehandlung zur Injektion von Hormonen eingesetzt, die die Follikelreifung stimulieren.

Um auf unsere Stärken bei den Hormonen für die Fertilitätsbehandlung aufzubauen, bieten wir von der Inkubation bis zur Kryokonservierung zusätzlich ein umfassendes Portfolio an höchst innovativen Technologien an. Hierzu gehören die Produktlinien Gavi™, Geri™ und Gems™. Gavi™ ist weltweit das erste Gerät zur automatisierten Vitrifikation, wobei ein automatisch ablaufendes Standardverfahren im Labor eingesetzt wird. Geri™ ist ein innovativer miniaturisierter Inkubator mit individuell regelbaren Inkubationskammern für jeden Patienten, um Störeinflüsse auf die Embryos im Frühstadium zu minimieren. Gems™ wiederum ist die neueste Generation an Nährmedien von Genea Biomedx, die eine hochwertige Kultivierung der Embryos erlaubt. Sowohl Gavi™ als auch Geri™haben 2015 die CE-Zertifizierung in Europa erhalten. In den USA sind die drei Produktlinien dagegen noch nicht für den Verkauf freigegeben.

Um unser Angebot weiter zu stärken, hat unser Biopharma-Geschäft zusammen mit Genea ein Entwicklungszentrum ins Leben gerufen: ARTInnovations wurde mit dem Ziel gegründet, eine innovative Pipeline an Technologien und Dienstleistungen für die Fertilitätsbehandlung zu entwickeln. Es trägt zur Unterstützung von Patienten bei, die sich einer assistierten Reproduktionsbehandlung unterziehen, und hilft Ärzten durch Innovationen, objektive Informationen zu generieren, um wichtige Therapieentscheidungen zu treffen. Darüber hinaus haben wir die Global Fertility Alliance gegründet, eine Kooperation mit Illumina Inc. und Genea Limited, um zugleich Standard und Standardisierung der Fertilitätsbehandlung zu verbessern.

Im Jahr 2015 haben wir zudem eine neue Version des Eeva®-Tests mit Xtend-Algorithmus eingeführt. Hierbei handelt es sich um die erweiterte Version eines nicht-invasiven Tests, der die Beurteilung der Embryonenentwicklung während der assistierten Reproduktionsbehandlung unterstützt. Die neue Version baut auf wissenschaftlichen und klinischen Erfahrungen mit unserem Eeva®-System auf.

Die Geschäftseinheit General Medicine bietet vor allem Markenprodukte zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen an. Unsere Hauptprodukte aus diesem Bereich sind zwar nicht mehr patentgeschützt, werden aber dank ihres hohen Markenwerts, der sich über Jahrzehnte aufgebaut hat, immer noch als Standardpräparate zur Behandlung chronischer Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen eingesetzt. Das gilt beispielsweise für Glucophage® mit dem Wirkstoff Metformin, dem Mittel der Wahl für die Erstlinienbehandlung von Diabetes Typ II, oder Concor® mit dem Wirkstoff Bisoprolol, dem führenden Betablocker gegen chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Hypertonie, koronare Herzkrankheit und chronische Herzinsuffizienz mit jährlich 12 Mio behandlungsbedürftigen Patienten, aber auch für Euthyrox® (Levothyroxin), das führende Medikament zur Behandlung von Hypothyreose.

Die Nachfrage nach Therapien für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt stetig, vor allem in Wachstumsmärkten. Dies ist auf eine steigende Lebenserwartung, aber teilweise auch auf den zunehmenden Wohlstand in diesen Regionen und die damit einhergehenden Änderungen des Lebensstils sowie der Essgewohnheiten zurückzuführen. Dabei betreiben wir nicht nur ein Life-Cycle-Management für bestehende Produkte unter Ausnutzung unseres hohen Markenwerts, sondern sind auch eine langfristige strategische Partnerschaft mit dem indischen Unternehmen Lupin Ltd. eingegangen, deren Ziel es ist, das Portfolio an Präparaten für die Allgemeinmedizin in Wachstumsmärkten um günstige, qualitativ hochwertige Arzneimittel zu ergänzen. Die Hauptprodukte des Therapiegebiets Endokrinologie sind Saizen® (Somatropin) und Kuvan® (Sapropterindihydrochlorid).

Im Oktober 2015 haben wir angekündigt, die Rechte an Kuvan® an BioMarin zurückzugeben, um uns voll auf unsere Kerngeschäfte zu konzentrieren und gleichzeitig den Patienten fortlaufende Unterstützung in Form eines Partners, der sich engagiert für seltene Erkrankungen einsetzt, zukommen zu lassen. Wir fühlen uns dem Therapiegebiet der Endokrinologie weiterhin stark verpflichtet und engagieren uns vor allem mit Saizen® für eine bessere Behandlung von Patienten mit Wachstumshormonmangel. Ebenfalls im Oktober 2015 ist Merck von Frost & Sullivan für seine Produktfamilie der Wachstumshormone mit dem „European Competitive Strategy Innovation and Leadership Award“ ausgezeichnet worden.

Darüber hinaus entwickeln wir seit Jahren preisgekrönte neue Applikationshilfen, mit denen Injektionen anwendungsfreundlicher und gleichzeitig zuverlässiger als mit herkömmlichen oder vorgefüllten Spritzen verabreicht werden können. Außerdem können Ärzte und Patienten mit diesen Produkten die Therapietreue einfacher sicherstellen und damit ihre Therapieziele erreichen. Beispiele hierfür sind die elektromechanischen Autoinjektoren der Reihe easypod™zur Injektion von Saizen®, der einzigen Geräteklasse zur Injektion von Wachstumshormonen überhaupt, und RebiSmart™ für die Verabreichung von Rebif® (Interferon beta-1a). Beide Geräte, easypod™ und RebiSmart™, können zudem Daten wie Injektionszeitpunkt, -datum und -dosis drahtlos an die dazugehörigen internetbasierten Softwaresysteme easypod™ connect beziehungsweise MSdialog übertragen.

Consumer Health

In unserem Consumer-Health-Geschäft produzieren und vertreiben wir nicht-verschreibungs­pflichtige Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel und konzentrieren uns auf eine Reihe bekannter strategischer Marken. Dazu zählen Neurobion®, Bion®, Seven Seas®, Nasivin®, Femibion® und DoloNeurobion® sowie Floratil®, Sangobion®, Vigantoletten®, Apaisyl® und Kytta®. Auf dem elften Platz im globalen Selbstmedikationsmarkt rangierend, haben wir eine hohe Marktdurchdringung in den Regionen Europa, Lateinamerika, Asien-Pazifik sowie Mittlerer Osten und Afrika. Besonders stark sind unsere Wachstumsraten in Indien, Indonesien, Philippinen, Saudi-Arabien, Chile, Kolumbien, Ecuador und Mexiko.

Weltweite Megatrends begünstigen dabei künftiges Wachstum des Consumer-Health-Geschäfts von Merck. So gehen Menschen bewusster mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit um. Gesundheitsvorsorge und eine möglichst wenig invasive Medikation werden damit immer wichtiger – und zwar sowohl in etablierten Märkten als auch in Wachstumsmärkten, wo sich zunehmend eine starke Mittelschicht mit spezifischen Bedürfnissen herausbildet.

Wir verfolgen weiterhin unsere „3 x 3“-Strategie mit dem Ziel, bewusst in rund 15 bis 20 Schlüsselländer zu investieren, um in jedem dieser Länder mit mindestens drei führenden Marken vertreten zu sein und dabei jeweils einen lokalen Marktanteil von mindestens 3% zu erreichen. Dies soll durch organisches Wachstum, geografische Expansion und schließlich kleinere taktische Akquisitionen von Marken, die zur Strategie und idealerweise in bestehende Produktkategorien passen, erreicht werden.

2015 haben wir beispielsweise mit der Markteinführung von Bion® in Brasilien begonnen, um das lokale Portfolio um eine weitere, potenziell führende Marke zu ergänzen. Darüber hinaus haben wir die Marken Vigantol®, Anemidox® / Confer® und Hepabionta® von Biopharma auf Consumer Health übertragen, um ihnen durch Endkundenorientierung mehr Gewicht zu verleihen.

Biosimilars

Unser Biosimilars-Geschäft hat sich dem Ziel verschrieben, mehr Patienten weltweit Zugang zu hochwertigen Biopharmazeutika zu ermöglichen. Dazu entwickeln wir ein Biosimilars-Portfolio mit dem Schwerpunkt auf Onkologie und entzündlichen Erkrankungen und stützen uns dabei sowohl auf interne Forschungs- und Entwicklungskompetenz in puncto biologische Arzneimittel als auch auf Partnerschaften mit anderen Akteuren aus diesem Bereich. 2015 haben wir Biosimilars-Kandidaten in die klinische Entwicklung gebracht. Der Beginn einer ersten Biosimilar-Phase-III-Studie ist für das 1. Quartal 2016 geplant.

Biosimilars sind ein attraktiver Markt, in dem Merck gut aufgestellt ist, denn wir können auf vorhandenen Stärken und Kompetenzen über die Biosimilars-Wertschöpfungskette hinweg aufbauen. Dazu zählen die Fähigkeiten, interne Ressourcen zu nutzen oder Kapazitäten von Lieferanten zu beschaffen, um die Einhaltung regulatorischer Vorgaben zu gewährleisten, den Marktzugang zu wichtigen Wachstumsmärkten sicherzustellen, bestehende Produktionskapazitäten flexibel zu nutzen sowie einen maßgeschneiderten Go-to-Market-Ansatz umzusetzen.

Wir haben zudem strategische Allianzen mit Dr. Reddy’s in Indien zur gemeinsamen Entwicklung mehrerer Krebsmittel und mit Bionovis in Brasilien zur Versorgung des brasilianischen Markts mit biologischen Produkten im Rahmen der Richtlinie zur Partnerschaft zur Produktentwicklung (PDP) des brasilianischen Gesundheitsministeriums vereinbart.

Allergopharma

Unser Allergiegeschäft Allergopharma ist eines der führenden Unternehmen für die allergenspezifische Immuntherapie (AIT). Das Produktportfolio von Allergopharma umfasst ein vielfältiges Spektrum an zugelassenen Allergenpräparaten, die den höchsten Qualitätsstandards entsprechen. Die AIT (Hyposensibilisierung, Desensibilisierung, Allergieimpfung) ist die einzige kausale Therapiemöglichkeit, Allergien gegen nicht vermeidbare Allergene zu behandeln.

Wir stellen Präparate zur Diagnose und Therapie von Typ-1-Allergien wie allergischer Rhinitis (Heuschnupfen) oder allergischem Asthma her. Das Allergiegeschäft von Merck bietet hochdosierte, hypoallergene standardisierte Präparate für die allergenspezifische Immuntherapie von Pollen- und Milbenallergien. Diese sogenannten Allergoide sind ein besonderer Schwerpunkt des Produktportfolios von Allergopharma und stellen ein Kernelement des ganzheitlichen Behandlungsansatzes von Patienten, die unter Allergien leiden, dar. Ohne eine korrekte Diagnose ist eine effektive Therapie nicht möglich. Allergopharma bietet ein breites Spektrum an diagnostischen Allergietests. Mit mehr als 100 Einzelallergenen versorgen wir Ärzte mit spezifischen Tools, mit denen sich die allergieauslösenden Substanzen identifizieren lassen. Darüber hinaus beinhaltet unser Angebot auch individuelle patientenspezifische Allergenextrakte zur Behandlung von weniger häufigen Allergien. Personalisierte Medizin ist bei Allergopharma seit vielen Jahren Realität. Die Produkte von Allergopharma sind derzeit in mehr als 20 Ländern weltweit erhältlich.

Der Markt für kausale Allergietherapieprodukte ist ein globaler Wachstumsmarkt. Das von Marktbeobachtern erwartete weltweite Wachstum kommt dabei zum einen von der zunehmenden Anzahl von Allergikern, zum anderen basiert es auf der steigenden Verbreitung der spezifischen Immuntherapie in vielen Wachstumsmärkten.

Mit der Erweiterung der Produktion und damit der Kapazität in Reinbek ab 2017 wollen wir unsere globale Präsenz erhöhen und dazu beitragen, den immer höheren Anforderungen an Herstellungsstandards gerecht zu werden.

Life Science

Ziel des Unternehmensbereichs Life Science ist es, gemeinsam mit Kunden und Experten rund um den Globus die größten Herausforderungen der Branche zu lösen. Wir verfügen über eine breite Produkt- und Technologiepalette und bieten innovative Lösungen für Wissenschaftler und Ingenieure der Life-Science-Branche.

Life Science umfasst die Forschungszweige, die sich mit dem Aufbau und dem Verhalten lebender Organismen befassen. Unsere Produkte und Dienstleistungen werden in Forschungs- und Anwendungslaboren sowie in Forschung, Entwicklung und Herstellung von Arzneimitteln chemischen oder biotechnologischen Ursprungs eingesetzt, reichen aber auch in benachbarte Märkte der Lebensmittel- und Getränkeindustrie hinein.

Das wichtigste Ereignis des Jahres war für den Unternehmensbereich Life Science die im Herbst 2015 vollzogene Übernahme des US-amerikanischen Life-Science-Unternehmens Sigma-Aldrich Corporation (Sigma-Aldrich), die größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte von Merck.

Life Science trug 2015 26% zu den Umsatzerlösen des Konzerns und 22% zum EBITDA vor Sondereinflüssen (ohne Konzernkosten und Sonstiges) bei. Durch die Übernahme von Sigma-Aldrich und der erstmaligen Konsolidierung für ein ganzes Jahr werden sich diese Anteile 2016 deutlich erhöhen. Der Unternehmensbereich wird damit deutlich an Gewicht gewinnen.

Bereits am 13. April 2015 haben wir mit Udit Batra den Leiter des neuen Life-Science-Geschäfts, das Merck Millipore und Sigma-Aldrich vereint, bekannt gegeben. Die Ernennung trat nach dem erfolgreichen Abschluss der Akquisition im November 2015 in Kraft.

Im Laufe des Jahres 2015 galt es, zahlreiche kartellrechtliche Genehmigungen für die Übernahme von Sigma-Aldrich zu sichern. Ein wichtiger Eckpfeiler war dabei die kartellrechtliche Freigabe der Europäischen Kommission, die uns im Juni 2015 unter Auflagen gewährt wurde. Sie folgte auf die Genehmigungen durch die japanische Wettbewerbsbehörde sowie das chinesische Handelsministerium. Zuvor hatten wir bereits die kartellrechtlichen Freigaben aus den USA, Taiwan, Südafrika, Russland, Serbien und der Ukraine erhalten. Um die EU-Auflagen zu erfüllen, mussten sich Merck und Sigma-Aldrich verpflichten, Teile des europäischen Geschäfts für Lösungsmittel und anorganische Stoffe von Sigma-Aldrich zu verkaufen. Dazu zählte der Verkauf der Produktionsanlagen von Sigma-Aldrich in Seelze, die Veräußerung der Lösungsmittel und anorganischen Produkte, die von Sigma-Aldrich weltweit unter den Marken Fluka, Riedel-de-Haen und Hydranal verkauft werden, sowie die Gewährung einer befristeten Lizenz für die Lieferung von Lösungsmitteln und anorganischen Stoffen unter dem Markennamen Sigma-Aldrich im Europäischen Wirtschaftsraum. Am 20. Oktober 2015 konnten wir schließlich eine Vereinbarung über den vereinbarten Verkauf der betreffenden Geschäfte an Honeywell melden, um die kartellrechtlichen Auflagen der EU für die Übernahme von Sigma-Aldrich zu erfüllen.

Mit der Freigabe der brasilianischen Wettbewerbsbehörde im August war auch die letzte Region abgedeckt, für die diese noch ausstand, nachdem zuvor auch Israel und Südkorea ihre Genehmigungen erteilt hatten. Nach dem Erhalt aller erforderlichen kartellrechtlichen Genehmigungen für die Übernahme von Sigma-Aldrich gaben wir somit am 18. November 2015 den Abschluss der Transaktion bekannt.

Durch die Übernahme von Sigma-Aldrich sind wir zu einem der führenden Anbieter im globalen, über 100 Mrd € großen Life-Science-Markt geworden. Mit unserem kombinierten Geschäft können wir unseren Life-Science-Kunden weltweit ein attraktives Spektrum etablierter Marken wie Millipore, Sigma-Aldrich, Milli-Q, SAFC oder BioReliance anbieten. Außerdem verfügen wir über eine äußerst effiziente Lieferkette, über die wir mehr als 300.000 Produkte liefern können. Wir bieten unseren Kunden aus akademischen und pharmazeutischen Forschungslaboren ein umfassendes und auf sie zugeschnittenes Produktangebot von Laborchemikalien, Biologika und Reagenzien. Im Bereich der pharmazeutischen und biopharmazeutischen Produktion ergänzt Sigma-Aldrich unser bestehendes Produkt- und Dienstleistungsangebot entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Medikamentenherstellung und -validierung.

Während Sigma-Aldrich ganz überwiegend in unseren Unternehmensbereich Life Science integriert wird, haben wir beschlossen, das SAFC-Hitech-Geschäft in unseren Unternehmensbereich Performance Materials zu integrieren, wo es Teil der Geschäftseinheit Integrated Circuit Materials wird. SAFC Hitech und Performance Materials verfügen über komplementäre Technologien, sodass sich die beiden Geschäfte ideal ergänzen.

Der Unternehmensbereich Life Science umfasste im Geschäftsjahr 2015 die drei Geschäftseinheiten Lab Solutions, Process Solutions und Bioscience.

Auf dieser Basis generiert unser Life-Science-Geschäft wiederkehrende Umsatzerlöse und stabile, attraktive Cash Flows in einer Industrie, die durch strenge Zulassungsanforderungen gekennzeichnet ist. Eine stark diversifizierte und loyale Kundenbasis trägt zudem zu einem günstigen Risikoprofil bei. In Zukunft wird Life Science zudem von einem noch breiteren Portfolio, einer sehr effizienten Lieferkette inklusive einer hervorragenden E-Commerce-Plattform und unserer globalen Reichweite profitieren.

Nach dem Abschluss der Sigma-Aldrich-Übernahme haben wir strategische Marketing- und Innovationsteams (SMIs) eingerichtet, um Innovationen zu fördern und einzuführen, die auf die Bedürfnisse unserer Kunden im Life-Science-Sektor zugeschnitten sind. Sie treten an die Stelle der bisherigen Geschäftseinheiten (Lab Solutions, Process Solutions und Bioscience). Der Unternehmensbereich Life Science ist somit künftig auf drei Kundensegmente ausgerichtet: Research Solutions fokussiert sich auf akademische und pharmazeutische Forschungs­einrichtungen, Process Solutions unterstützt die biopharmazeutische Produktion und Applied Solutions Testlabore in Klinik, Diagnostik sowie Lebensmittelindustrie und Umweltwesen. Die SMI-Teams werden für die Kundensegmentstrategie, das Produktportfolio und das Leistungs­versprechen der Produkte verantwortlich sein. Das kombinierte Geschäft von Life Science besteht aus sogenannten Commercial Areas. Um regionale sowie lokale Erfahrung und Kompetenz zu nutzen, sind sie nach Regionen und Kundensegmenten unterteilt. Von den zwei Commercial Areas ist eine auf die Laborkunden aus der Forschung und den Anwendungslaboren ausgerichtet und die andere auf Kunden von Prozesslösungen (einschließlich des SAFC-Kundenstamms). Die Commercial Areas sind jeweils für das Marketing, den Vertrieb sowie die Kunden- und Händlerbeziehungen verantwortlich.

Die Geschäftseinheit Lab Solutions deckte 2015 den Bedarf an Produkten für die Forschung sowie für analytische und klinische Labore in unterschiedlichsten Industrien ab. Ihr Anteil an den Umsatzerlösen von Life Science lag 2015 bei 36%. Mit den Laborwasseraufbereitungsgeräten, Laborchemikalien und Verbrauchsmaterialien sowie Testlösungen lassen sich mikrobakterielle Kontaminierungen, etwa in pharmazeutischen Produkten, Lebensmitteln oder Trinkwasser, nachweisen. Für die anorganische Chemie liefern wir hochreine Reagenzien, darunter Salze, Säuren, Ätzalkalien und Puffer, stellen aber auch Referenzmaterialien für die instrumentelle Analytik sowie Produkte für die anorganische Spurenanalyse her.

In Ergänzung unseres branchenführenden Laborwasser-Portfolios haben wir 2015 mit der Einführung unserer Wasseraufbereitungssysteme der AFS®-Serie begonnen. Sie bieten klinischen Laboren mit einem täglichen Reinwasserbedarf von bis zu 3.000 Litern eine wirtschaftliche und zuverlässige Lösung zur Wasseraufbereitung.

Im Verlauf des Jahres führten wir in Europa zudem eine neue Klasse von Spektralphotometern für die Analyse von Abwasser, Trink- und Prozesswasser sowie Getränken ein. Die Produktfamilie Spectroquant® Prove umfasst drei Modelle und bietet eine große Auswahl an Testsätzen und Methoden zur Wasseranalyse.

Die Geschäftseinheit Bioscience erwirtschaftete im Berichtsjahr 13% der Umsatzerlöse von Life Science. Zu den wesentlichen Produktgruppen der Geschäftseinheit Bioscience zählten 2015 Tools und Verbrauchsmaterialien für die Filtration und Probenvorbereitung, Reagenzien und Kits für zellbiologische Versuche sowie kleine Tools und Verbrauchsmaterialien für die Zellanalyse. Mit diesen Produkten unterstützen wir unsere Kunden dabei, komplexe biologische Systeme zu verstehen und neue Zielmoleküle zu identifizieren. Unsere Anwendungen helfen, Forschungsprozesse schneller und effizienter zu gestalten.

Mit unseren neuen Magna ChIRP™ RNA Interactome Kits können Forscher Chromatinbereiche, die mit chromatinbezogenen RNAs zusammenarbeiten (wie zum Beispiel lange, nicht codierende
RNA – lncRNA), leichter bestimmen, wiederherstellen und analysieren. Die Kits sind eine Vereinfachung der ChIRP-Methode.

In der Ausgabe des „European Journal of Pharmaceutical Sciences“ vom 25. Januar 2015 wurde eine von Forschern der Josai-Universität in Japan durchgeführte Studie zu unserer synthetischen Strat-M®-Membran veröffentlicht. Diese Studie belegt, dass durch den Einsatz der Strat-M®-Membran als synthetisches, nicht-tierisches Hautmodell die Hautdurchlässigkeit zum Beispiel für Medikamenten- und Kosmetikwirkstoffe, Hygieneprodukte oder Pestizide in Studien genauso zuverlässig vorausgesagt werden kann wie mit echter menschlicher oder tierischer Haut.

Unsere Geschäftseinheit Process Solutions, die 2015 43% zu den Umsatzerlösen von Life Science beitrug, bietet Pharma- und Biotechnologieunternehmen eine Vielzahl von Produkten, die es den Kunden ermöglichen, Arzneimittel chemischen und biotechnologischen Ursprungs sicher, effizient und kostengünstig zu produzieren. Darüber hinaus hat die Geschäftseinheit mehr als 400 Chemikalien zur Synthese von Arzneiwirkstoffen sowie Substanzen für den Wirkstofftransport in ihrem Portfolio. Das Angebot für die biotechnologische Produktion umfasst Produkte zur Unterstützung des Zellwachstums und der Genexpression, außerdem eine breite Palette von Filtrationssystemen sowie Salze und Zuckerstoffe. Die Einweglösungen der Geschäftseinheit Process Solutions bieten Kunden aus der Biopharma-Branche höhere Flexibilität, da zeit- und kostenintensive Reinigungsverfahren entfallen. Ferner sind diese Einweglösungen mit verschiedenen Produkten kompatibel, wodurch sich die Anschaffungskosten für unsere Kunden reduzieren.

2015 haben wir die Anwendung unserer existierenden Tangentialflussfiltrationstechnologie (TFF) optimiert, mit der Verfahrensströme konzentriert werden können, ohne dass eine Rezirkulationsschleife wie bei der konventionellen TFF erforderlich ist.

Des Weiteren sind wir eine Kollaboration mit der celares GmbH eingegangen, um Kunden Dienstleistungen in der PEGylierung für ihre Entwicklung therapeutischer Proteine und Biosimilars anzubieten. Die celares GmbH ist ein Spezialist auf dem Gebiet der PEGylierung, einer besonderen Form der Wirkstofffreisetzung für Biopharmazeutika. Durch unsere Zusammenarbeit können wir nun unseren Biopharma- und Biosimilars-Kunden auch Konjugation anbieten. Damit unterstützen wir sie bei der Optimierung ihrer therapeutischen Proteine und einer schnelleren Markteinführung.

2015 haben wir außerdem Optimierungen unseres branchenführenden EMPROVE®-Programms für pharmazeutische Rohstoffe eingeführt. Die erweiterte Dokumentation und regulatorische Informationen erleichtern Arzneimittelherstellern die Risikobewertung und Lieferanten­qualifizierung. Die Verbesserungen unterstützen außerdem Arzneimittelhersteller bei der Einhaltung sowohl interner Qualitätsrichtlinien als auch der Richtlinien, die kürzlich von der Europäischen Kommission veröffentlicht wurden.

In Ergänzung unseres starken Portfolios für die Filtration haben wir mit Millipore Express® PHF (Prozess-Schutz, Hoch-Durchsatz) hydrophile Filter für die schnelle, effiziente und wirtschaftliche Pufferfiltration auf den Markt gebracht.

Im Laufe des Jahres 2015 ging die Geschäftseinheit Process Solutions die Vereinbarung einer strategischen Allianz mit Turgut Ilaç ein, einem führenden Biosimilars-Unternehmen aus der Türkei. Im Rahmen der Partnerschaft werden wir unser Provantage®-Service-Komplettpaket für die Entwicklung und Herstellung biologischer Präparate bereitstellen. Die erste Phase der Vereinbarung wird sich auf Biosimilars von monoklonalen Antikörpern für die Behandlung von nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom und rheumatoider Arthritis konzentrieren. Dies sind die ersten Moleküle aus der Biosimilars-Pipeline von Turgut, die wir im Rahmen dieser strategischen Partnerschaft unterstützen werden.

Performance Materials

In unserem Unternehmensbereich Performance Materials bündeln wir das gesamte Spezialchemikaliengeschäft von Merck. Das Portfolio umfasst Hightech-Performance-Chemikalien für Anwendungen in den Bereichen Unterhaltungselektronik, Beleuchtung, Beschichtungen, Drucktechnik, Lacke und Kunststoffe sowie Kosmetik. Seit dem 1. Januar 2015 gliedert sich Performance Materials in die folgenden Geschäftseinheiten: Display Materials, Pigments & Functional Materials, Integrated Circuit Materials und Advanced Technologies.

Der Anteil von Performance Materials an den Umsatzerlösen des Konzerns betrug im Jahr 2015 20% und der Anteil am EBITDA vor Sondereinflüssen (ohne Konzernkosten und Sonstiges) betrug 28%. Die EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen lag bei 44,3% der Umsatzerlöse.

Unser Flüssigkristallgeschäft (Liquid Crystals, kurz LC), das zur Geschäftseinheit Display Materials gehört, erwirtschaftete im Jahr 2015 mehr als die Hälfte der Umsatzerlöse von Performance Materials. Im Bereich Flüssigkristallmischungen sind wir seit langem der weltweite Markt- und Technologieführer. Dieser Markt ist insgesamt stark konsolidiert, es herrschen Markteintritts­barrieren infolge der technologischen Komplexität von Flüssigkristallen und der hohen Qualitätsanforderungen der industriellen Kunden und Endverbraucher. Zu unseren Kunden im Flüssigkristallgeschäft gehören die großen Hersteller von LC-(Liquid-Crystal-)Displays. Wir verfügen in unserem Flüssigkristallgeschäft über die breiteste Produktpalette für unsere industriellen Kunden und bieten beispielsweise Flüssigkristalle an, die für die PS-VA-(Fernseher) oder die IPS-Technologie (Smartphones und Tablets) optimiert sind. Außerdem setzen wir immer wieder Maßstäbe bei Neuentwicklungen. Beispielhaft hierfür steht unsere UB-FFS-Technologie, die einen Durchbruch bei der Energieeffizienz von Displays für Smartphones und Tablets ermöglicht und für die wir 2015 mit dem Deutschen Innovationspreis ausgezeichnet wurden.

Die zum 1. Januar 2015 neu geschaffene Geschäftseinheit Display Materials profitierte im Berichtsjahr vom etablierten Flüssigkristallgeschäft und dem komplementären früheren AZ-Geschäft (Optronics) mit Displaymaterialien (zum Beispiel Fotolacken), das in die Geschäftseinheit integriert wurde. Die Nachfrage nach eingeführten Flüssigkristalltechnologien blieb robust, auch dank der Nachfrage nach hochwertigen Fernsehern, zum Beispiel Ultra-HD-Geräten mit immer größeren Bildschirmdiagonalen. Im Jahr 2015 haben wir uns darauf fokussiert, neue Anwendungsmöglichkeiten für Flüssigkristalle zu erschließen, zum Beispiel im Bereich „intelligente“ Fenster, für die Flüssigkristalle eingesetzt werden, sogenannte Liquid Crystal Windows (LCW). Flüssigkristallfenster lassen sich sekundenschnell und stufenlos von Hell nach Dunkel regulieren, wobei sie ein großes Farbspektrum erlauben. 2014 hatte Merck den niederländischen Spezialisten für diese Technologie, Peer+, übernommen, das Unternehmen ist inzwischen vollständig integriert. Die ersten LCW-Einheiten wurden im 1. Halbjahr 2015 in das neue modulare Innovationszentrum von Merck in Darmstadt eingebaut. Seitdem wird die neue Technologie auf Messen vorgestellt, eine breitere Markteinführung ist für die nächsten Jahre geplant. Welche Chancen solche „smarten“ Materialien für die Architektur eröffnen, wurde im Oktober 2015 auf einem Kongress in Chicago deutlich, den Merck gemeinsam mit der Harvard University Graduate School of Design veranstaltete.

Die Geschäftseinheit Pigments & Functional Materials entwickelt und vermarktet ein umfassendes Produktportfolio von dekorativen Effektpigmenten und funktionellen Materialien. Die Effektpigmente werden vor allem in Automobil- und Industrielacken, Kunststoffen, Druckerzeugnissen und Kosmetika verarbeitet, um den Produkten einen einzigartigen Glanz zu verleihen. Zu den funktionellen Materialien gehören Lasermarkierungen, leitfähige Additive, Anwendungen für Fälschungssicherheit sowie hochwertige Kosmetikwirkstoffe beispielsweise für den Einsatz in der Hautpflege sowie in Sonnenschutz- oder Insektenschutzmitteln.

Die neue Geschäftseinheit Integrated Circuit Materials (ICM) entstand zum 1. Januar 2015 aus dem früheren Halbleitergeschäft von AZ Electronic Materials (AZ). ICM liefert Produkte für integrierte Schaltkreise. Als wichtiger Partner global führender Elektronikhersteller erzielt die Geschäftseinheit ICM über 60% ihrer Umsätze in Asien und erwirtschaftet dabei mehr als drei Viertel ihrer Umsätze mit Produkten, die in ihren jeweiligen Märkten führend sind. Die Produkte von ICM werden unter anderem zur Fertigung integrierter Schaltkreise, zur Herstellung mikroelektronischer Systeme, für Antireflexionsbeschichtungen oder zur Miniaturisierung von Transistorstrukturen verwendet. Somit fügt sich das Portfolio der früheren AZ optimal in das Materialangebot von Performance Materials ein.

Das SAFC-Hitech-Geschäft von Sigma-Aldrich, das hochreine Materialien für Silizium-Halbleiter, Verbindungshalbleiter und andere Hightech-Industrien umfasst, wird komplett in die Geschäftseinheit Integrated Circuit Materials integriert. Es ergänzt in idealer Weise unser Angebot als ein weltweit führender Lieferant der Elektronik- und Halbleiterbranche. Im September haben wir bekannt gegeben, dass wir Ormet Circuits Inc. erworben haben, um die Position von Integrated Circuit Materials als Hersteller von Halbleiter-Materialien weiter zu festigen und das Produktportfolio zu diversifizieren.

Die Geschäftseinheit Advanced Technologies investiert insbesondere in zukunftsträchtige Forschung und Entwicklung im Bereich Performance Materials. Ein sehr gutes Beispiel hierfür sind unsere Materialien für organische Leuchtdioden (Organic Light Emitting Diodes, kurz OLED), die in neuen Beleuchtungstechniken und Displaytechnologien verwendet werden. Sie ermöglichen zum Beispiel falt- und rollbare oder transparente Displays von exzellenter Farbbrillanz und Schärfe. Das Geschäft mit OLED-Materialien hat sich dabei, nicht zuletzt dank der stark zunehmenden Nachfrage aus asiatischen Ländern, sehr gut entwickelt und war 2015 eines unserer am schnellsten wachsenden Geschäfte, dessen Kundenbasis sich stetig verbreitert. 2015 war das bislang erfolgreichste Jahr für unser Geschäft mit OLED-Materialien. Dabei wurden signifikante Investitionen getätigt, um die Weichen für weitere Fortschritte und Erfolge in diesem zukunftsträchtigen Geschäft zu stellen: Im Mai 2015 eröffneten wir im koreanischen Pyeongtaek das OLED-Application-Center, drei Wochen später wurde in Darmstadt der Grundstein einer neuen Produktionsstätte für OLED-Materialien gelegt. Mit einem Volumen von über 30 Mio € ist das Vorhaben eine der größten Einzelinvestitionen der letzten Jahre am Standort Darmstadt.

Im Juni haben wir das israelische Unternehmen Qlight Nanotech übernommen, ein führendes Start-Up für Forschung an Quantenmaterialien, die unter anderem Farbeigenschaften in Displays weiter verbessern können.